Berlin - Der Koalitionspoker nach der Bundestagswahl geht weiter. Nachdem sich am Dienstagabend überraschend Grüne und FDP zu ersten Gesprächen trafen und dies mit einem selbstbewussten Selfie demonstrierten, gaben diese am Mittwoch bekannt, dass sie sowohl mit der SPD als auch der Union reden werden. Damit sind weiterhin eine Ampel- oder eine Jamaika-Koalition möglich.

Die Grünen wollen am Sonntag mit der SPD sprechen, kündigte Parteichefin Annalena Baerbock am Mittwoch in Berlin an. Die Union habe die Grünen zudem für die kommende Woche zu Gesprächen eingeladen, sagte sie. Zuvor hatte auch die FDP Gespräche mit der Union am Samstag und mit der SPD am Sonntag angekündigt. Außerdem soll es ein weiteres Gespräch zwischen Grünen und FDP am Freitag geben.

Die Grünen wollen mit einem zehnköpfigen Team in die anstehenden Sondierungsgespräche gehen. Das geht aus einem Entwurf der Parteiführung für einen kleinen Parteitag hervor, der an diesem Samstag in Berlin stattfinden soll. Dazu gehören neben den Parteivorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck unter anderem Anton Hofreiter sowie der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

„Wir leiten aus dem Wahlergebnis einen klaren Auftrag ab, Verantwortung für die Gestaltung des Landes zu übernehmen und eine progressive Regierung zu bilden“, sagte Annalena Baerbock.

Die Sondierungen sollten „zügig und vertrauensvoll“ zu der Aufnahme von Koalitionsgesprächen geführt werden, kündigte die Grünen-Kanzlerkandidatin an. „2017 darf sich nicht wiederholen.“ Gemeint sind die zähen Verhandlungen über die Bildung einer sogenannten Jamaika-Koalition von Union, Grünen und FDP, die die Liberalen dann letztlich platzen ließen. Von der FDP hieß es, erklärtes Ziel beider Parteien seien Grundlinien für eine politische Zusammenarbeit – mit einem „Neustart“ der Regierungspolitik. Jamaika – also Union mit Grünen und FDP – sei die bevorzugte Option, sagte FDP-Generalsekretär Volker Wissing.

Die SPD warb am Mittwoch erneut für eine Ampel-Koalition von SPD, Grünen und FDP. Kanzlerkandidat Olaf Scholz sieht viele Schnittmengen. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sagte am Nachmittag: „Wir wollen zügig zu einer stabilen Regierung kommen.“ Die SPD wählte am Mittwoch Rolf Mützenich erneut zu ihrem Fraktionsvorsitzenden.