Es dauere nur noch Monate, dann könne der Iran Atombomben bauen. Israel werde iranische Atomanlagen angreifen, vor den Wahlen in den USA oder auch danach, mit den USA oder allein. Die Pläne für einen Angriff lägen bereit. Diese Behauptungen und Spekulationen sind nicht das Vorspiel für israelisch-amerikanisch-westliche Luftangriffe. Sie sind nur Teil eines verdeckten Krieges gegen den Iran, der schon vor Jahren und an vielen Fronten begann. In diesen Tagen geht er am Sitz der UN in New York weiter, wo am Mittwoch Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad vor der Vollversammlung spricht und sich das eine oder andere Staatsoberhaupt ganz sicher zur Kriegsfrage äußern wird.

Erklärtes Ziel der USA und ihrer westlichen Partner ist es, die Iraner vom Bau einer Atombombe abzuhalten, woran sie angeblich unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms werkeln. Beweise dafür gibt es nicht. Die Berichte der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA – so alarmistisch sie auch immer verkauft werden mögen – stützen sich lediglich auf Indizien. Die Teheraner Führung hat die Vorwürfe stets bestritten. Sie argwöhnt, dass es dem Westen und Israel um anderes geht: um Restriktionen bei der zivilen Nutzung der Atomkraft, um Spionage und Sabotage in den Atomanlagen durch Mitglieder von IAEA-Teams und letztendlich um den Sturz des islamischen Regimes.

Der Iran ist mittlerweile weitgehend isoliert. Das ist jedoch nicht allein ein Resultat des Atomkonflikts, vielmehr reichen die iranisch-westlichen Verwerfungen bis zur Islamischen Revolution 1979 zurück. Die USA und der Westen mussten damals gedemütigt das Land verlassen, hatten einen wichtigen Alliierten in der Region sowie den Zugriff auf dessen Öl- und Gasreserven verloren. Mit den Jahren profilierte sich das iranische Regime als Unterstützer von terroristischen und anti-israelischen Bewegungen, es stellte das Existenzrecht des jüdischen Staates infrage. Und im eigenen Land unterdrückt es die demokratische Opposition. Mit Reden, Auftreten sowie Agieren leistet die Führung um Revolutionsführer Ali Khamenei und Präsident Ahmadinedschad der Dämonisierung des Iran im Westen zusätzlich Vorschub.

Iran sieht sich bedroht

Aus der Sicht Teherans stellen sich der Konflikt und seine Ursachen natürlich anders dar. Der Teheraner Führung ist das Trauma der Bevormundung und quasi kolonialen Ausbeutung durch die USA und die Westmächte zu Schah-Zeiten noch sehr präsent. Sie versteht sich inzwischen weniger als Exporteur einer islamischen Revolution denn als Vorhut eines globalen anti-imperialistischen und anti-neokolonialen Kampfes. Der Iran sei zudem wegen seiner Geschichte, seiner Bevölkerungszahl, Größe, Ressourcen und geostrategischen Lage ein politisches Schwergewicht – und müsse daher als Regional- und Ordnungsmacht anerkannt, seine Befürchtungen und Ambitionen respektiert werden.

Stattdessen sieht sich der Iran latent bedroht, insbesondere nach den Invasionen der USA in Afghanistan und im Irak. Seither hat es US-Truppen direkt vor der Tür. Seit Jahren wird dem Land von Israel und den USA offen mit Angriffen gedroht, was auch nach Ansicht von Völkerrechtlern den Tatbestand einer Aggressionsvorbereitung erfüllt: Präventive Selbstverteidigung ist laut UN-Charta nur erlaubt, wenn der gegnerische Angriff bereits begonnen hat.

Die Angriffsszenarien werden durch nicht-militärische Maßnahmen komplettiert. Im Sommer wurden die Wirtschaftssanktionen verschärft, die Bankgeschäfte sowie Ölexporte mit dem Iran fast vollständig mit einem Boykott belegt. Seit etwa zwei Jahren sieht sich der Iran verstärkt auch als Ziel von Terrorattacken: Attentate auf Militäreinrichtungen wurden verübt, iranische Nuklearwissenschaftler getötet.

Diese Attentate werden dem israelischen Geheimdienst Mossad und den iranischen Volksmudschaheddin (MEK) zugeschrieben. Die MEK stehen zwar noch auf der amerikanische Terror-Liste, Ende vergangener Woche jedoch kündigte Außenministerin Hillary Clinton an, sie von dieser Liste streichen zu wollen.

USA führt Cyber-Krieg gegen Iran

Und unter dem Codenamen „Olympic Games“, so gab Präsident Obama vor einiger Zeit indirekt zu, wird ein Cyber-Krieg gegen den Iran geführt. Der Stuxnet-Virus zum Beispiel attackierte Irans Nuklear-Programm sowie Kraft- und Wasserwerke. Die CIA schließlich führt mit dem Geld der Regierung schon lange verdeckte Aktionen im Iran durch, um Spannungen zwischen Minderheiten zu schüren und Revolten gegen die Zentralmacht anzuzetteln.

Diese Aktionen haben Widerstand und Haltung der Teheraner Führung wohl noch beflügelt. Denn als die USA in den 1990er-Jahren die ersten Sanktionen gegen den Iran verhängten, war das Nuklearprogramm in den Anfänge, gab es keine einzige Zentrifuge und das Land hielt sich strikt an die Auflagen, denen es als Mitglied des Atomwaffensperrvertrages unterworfen ist. Diese Sanktionen sind sukzessive verschärft und ausgeweitet worden. Dennoch verfügt der Iran heute über Zentrifugen und gut gesicherte Nuklearanlagen. Auch ein Militärschlag wird daran nichts ändern.