Moskau - Das Verfahren ist alles andere als neu. Photoshop-Verfahren sind als Softwareprogramme im Netz allgemein zugänglich. Jedes Urlaubsfoto lässt sich mit ihrer Hilfe verschönern. Im vorliegenden Fall wurde der Himmel über der Ostukraine allerdings nicht nachträglich ein wenig blauer gestaltet, sondern im Gegenteil mit Wolken verhangen, die auf den Originalfoto fehlen.

Die investigative Rechercheplattform bellingcat hat sich dreier Satellitenfotos  angenommen, die das russische Verteidigungsministerium am 21. Juli vergangenen Jahres der  Öffentlichkeit präsentiert hatte, und sie einer forensischen Analyse unterzogen. Die Aufnahmen sollten die Aktivitäten der ukrainischen Luftabwehr in Schussposition zu Flug MH 17 am 17. Juli 2014, dem Tag des Abschusses, zeigen und belegen, dass die ukrainische Luftwaffe für den Abschuss der Maschine verantwortlich ist. Die russische Führung spricht sich  selbst von jeder Verantwortung für den Tod der 298 Passagiere des Malaysia-Airline-Fluges frei.

Mit Photoshop geändert

Bellingcat erklärt nun, die Analyse habe zweifelsfrei nachgewiesen, dass die Satellitenfotos falsch datiert und mit Hilfe der Software Adobe Photoshop CS5 digital verändert wurden. Das russische Verteidigungsministerium habe der Weltöffentlichkeit manipulierte Satellitenfotos vorgelegt, um den Abschuss der Passagiermaschine durch eine ukrainische BUK-Rakete zu belegen behauptet bellingcat.

Eine der vom russischen Verteidigungsministerium präsentierten Aufnahmen soll belegen, dass sich eine ukrainische BUK-Batterie am 17. Juli 2014 nicht mehr an ihrem ursprünglichen Ort, einem Militärstützpunkt nördlich von Donezk befand, sondern andernorts zum Einsatz gekommen ist. Die Analyse von bellingcat zeigt, dass das Bild vor der  Veröffentlichung bearbeitet und verändert worden ist. Unterschiedliche Bildbereiche weisen unterschiedliche Kompressionsstufen auf. Wolken wurden nachträglich hinzugefügt.

Das Beweisfoto, mit dem die russische Regierung belegen wollte, dass sich der ukrainische Raketenwerfer nahe des Abschussortes befand, wurde demnach ebenfalls manipuliert. Auch hier weisen die Bildbereiche unterschiedliche Kompressionsstufen und Fehlerniveaus auf. Der Vergleich mit anderen Satellitenaufnahmen vom 17. Juli 2014 zeigen nach den Recherchen von bellingcat außerdem, dass das vorgelegte Foto vor dem Tag des Abschusses entstanden sein muss.

Die Satellitenaufnahmen sind bereits der zweite russische Versuch, Indizien für eine ukrainische Schuld am Absturz von MH17 vorzulegen. Die Behauptung, ein ukrainisches Kampfflugzeug habe die Maschine abgeschossen, wurde schon kurz nach der Veröffentlichung   widerlegt. Bellingcat hatte im November vergangenen Jahres bereits eine aufwendige Recherche über die Herkunft der mutmaßlich beim Abschuss von MH 17 eingesetzten BUK-Batterie veröffentlicht. Demnach stammte sie aus Russland.