Die AfD-Landtagsabgeordneten Dennis Hohloch (l.) und Andreas Kalbitz gelten nicht als Konkurrenten, sondern eher als enge politische Vertraute.
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BerlinNun also auch noch Gewalt, sagen seine Kritiker. Doch Andreas Kalbitz, der umstrittene langjährige AfD-Chef in Brandenburg, spricht von einem Missgeschick. Worum geht es? Kalbitz, der vom obersten Parteigericht der AfD aus der rechtsnationalen Partei ausgeschlossen wurde und der gegen diesen Rausschmiss juristisch kämpft, hat seinen Nachfolger im Amt des Fraktionsvorsitzenden im Brandenburger Landtag niedergeschlagen.

Es geht um Dennis Hohloch, 31 Jahre alt, gebürtiger Potsdamer und dort Lehrer. Er ist kommissarischer Fraktionschef, nachdem Kalbitz nach dem Rauswurf diesen Posten aufgeben musste. Hohloch gilt nicht etwa als Konkurrent von Kalbitz, sondern als ein recht enger Vertrauter. Er hat den Posten extra nur kommissarisch übernommen, bis Kalbitz den Parteiausschluss juristisch geklärt hat und bei einem Sieg den Chefposten wieder übernehmen kann. Die beiden haben im vergangenen Jahr auch gemeinsam Wahlkampf gemacht.

Der Vorfall hat sich vergangene Montag in den Räumen der AfD-Fraktion im Landtag zugetragen. Trotz des Rauswurfs ist der fraktionslose Abgeordnete Kalbitz immer noch bei manchen Parteiveranstaltungen anwesend und auch in diesen Räumen zu Gast. Dort soll er Hohloch zur Begrüßung scherzhaft in die Seite geboxt haben. Eine Art Männerritual, das allerdings sehr heftig ausfiel. Der Schlag des Ex-Fallschirmjägers Kalbitz war so stark, dass Hohloch schon bald über Schmerzen in der Bauchgegend klagte, sich zum Arzt begab und nun wegen innerer Verletzungen in einem Krankenhaus behandelt wird. „Natürlich bedauere ich dieses Missgeschick sehr und diese Verkettung unglücklicher Umstände“, sagt Kalbitz der Berliner Zeitung. 

Zuerst hatte das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) über den Vorfall berichtet. In verschiedenen Medien werden AfD-Vertreter mit den Worten zitiert, Kalbitz haben seinen Kollegen „krankenhausreif“ geschlagen.

Im Spiegel heißt es, dass es verschieden Versionen über die Art der Verletzung gibt. Es ist davon die Rede, dass Hohloch durch den Schlag entweder einen Milzriss erlitten hat, wie er selbst behauptet haben soll. Andere Quellen sprechen davon, dass durch den Schlag eine bis dahin nicht diagnostizierte Zyste in der Milz geplatzt sei.

Gerichtstermin am Freitag in Berlin

Kalbitz, der zweite Mann hinter Björn Höcke im offiziell aufgelösten und vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften „Flügel“ der Partei, wird in dieser Woche für weitere Schlagzeilen sorgen, denn der nächste Gerichtstermin steht an. Die AfD hat ihn bereits zwei Mal aus der Partei ausgeschlossen. Parteichef Jörg Meuthen sorgte für den Rauswurf von Kalbitz, weil dieser in den 90er-Jahren bei den Republikanern gewesen sein soll sowie bei dem inzwischen als rechtsextremistisch eingestuften und verbotenen Verein Heimattreuen Jugend Deutschland (HDJ). Die AfD wirft Kalbitz vor, diese für AfD-Mitglieder verbotenen Mitgliedschaften verschwiegen zu haben.

Kalbitz bestreitet die Mitgliedschaft in der HDJ und klagt deshalb gegen den Parteiausschluss. Am Freitag verhandelt das Berliner Landgericht seinen Eilantrag gegen die Entscheidung des obersten Parteigerichts. 

Die Sache ist Teil eines Richtungskampfes in der AfD zwischen dem eher gemäßigten Parteichef Meuthen und dem vom Verfassungsschutz beobachteten „Flügel“. Der hat sich offiziell auf Druck der Parteiführung selbst auflösen müssen, damit nicht die gesamte Partei vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Aber die „Flügel“-Anhänger machen noch immer etwa 40 Prozent der Partei aus.