Junge Frauen in Turkmenistan.
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BerlinDer Begriff der Pandemie trägt es schon in sich: Sie betrifft die ganze Welt. Allerdings gibt es immer noch Länder, in denen bisher kein Fall von Covid-19 bestätigt wurde. Von den 193 Ländern, die den Vereinten Nationen angehören, sind es neben den kleinen Inselstaaten im Südpazifik und den Komoren vier bevölkerungsreiche Länder (mehr als eine Million Einwohner): Nordkorea, Turkmenistan, Tadschikistan und Lesotho. 

Nordkorea (25,5 Millionen Einwohner)

Über das Auftreten der Corona-Pandemie in Nordkorea weiß man wenig. Wie sonst auch hüllt sich Kim Jong Uns Volksrepublik in Schweigen. Anfang April sagte Pak Myong Su, Direktor der Epidemie-Bekämpfung Nordkoreas, der Nachrichtenagentur AFP, kein einziger Mensch im Land sei infiziert. Nordkorea hat die – 1400 Kilometer lange – Grenze zu China bereits im Januar geschlossen. Auch der ohnehin schon begrenzte Reiseverkehr wurde eingestellt. „Wir haben präventive Maßnahmen durchgeführt, wie Kontrollen und Quarantäne für alle, die in unser Land einreisen, und eine gründliche Desinfektion aller Waren sowie die Schließung der Grenzen und die Sperrung der See- und Luftwege", sagte Pak Myong Su weiter. Es ist kaum möglich, diese Informationen zu überprüfen. Dass das neuartige Coronavirus es nicht schon vorher in den isolierten Staat geschafft hat, wird allerdings stark bezweifelt. Die fehlende Infrastruktur im Gesundheitswesen und der Mangel an Medikamenten sowie internationale Sanktionen bedeuten auch, dass ein Verlauf dort besonders verheerend wäre.

Tadschikistan (9,1 Millionen Einwohner)

Das postsowjetische Land wird vom autoritären Präsidenten Emomalij Rahmon regiert. Vor einigen Tagen hat er seinen Sohn Rustam Emomali zum Parlamentschef gemacht. Auch hier gäbe es kein Corona, behauptet Rahmons Regierung. Als Ursache für jüngste Sterbefälle wurden das Grippevirus und Lungenentzündungen genannt. Die Grenzen zu China sind schon länger dicht, aus anderen Ländern darf niemand mehr einreisen. In der Hauptstadt Duschanbe wurden Plakate aufgehängt, die die Bürger zur Hygiene ermahnen. Doch die Märkte und Schulen im Land bleiben offen, die Fußballsaison hat ebenfalls begonnen. Im armen Bergland gibt es nur begrenzte Testkapazitäten und einen Mangel an Spezialisten im Gesundheitssystem. Kritiker bemängeln die Passivität, die Duschanbe im Kampf gegen das Virus an den Tag legt: Ende März tanzten 12.000 Unistudenten und Schulkinder in einem Stadion im Rahmen des Norouz-Festes (Neujahr) für den Staatschef Rahmon.

Turkmenistan (5,9 Millionen Einwohner)

Das zentralasiatische Land, das vom Präsidenten Gurbanguly Berdimuhamedow regiert wird, ist ähnlich abgeschottet wie Nordkorea. Auch der Personenkult des Staatschefs ähnelt dem nordkoreanischen Modell.

Turkmenistan hat eine lange Grenze zum stark von der Corona-Pandemie betroffenen Iran. „Die offiziellen Gesundheitsstatistiken sind bekannt dafür, unverlässlich zu sein“, sagte Martin McKee von der London School of Hygiene and Tropical Medicine kürzlich der BBC. Auch hier zeigen sich Beobachter skeptisch. Turkmenistan schloss zu Beginn des Corona-Ausbruchs zügig seine Grenzübergänge und strich Flüge aus China und anderen Ländern. Doch das Leben in Turkmenistan läuft weiter: Die Cafés und Restaurants sind offen, es gibt keine Kontaktsperren. Am 7. April, dem Weltgesundheitstag, fuhren Hunderte Menschen in der Landesfarbe Grün mit dem Fahrrad durch die Hauptstadt Aschgabat. Seit vergangenem Sonntag wird in Turkmenistan wieder Fußball gespielt.

Lesotho (2 Millionen Einwohner)

Das afrikanische Königreich ist eine unabhängige Enklave in der Republik Südafrika, eines der am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder auf dem afrikanischen Kontinent. Mitte März schloss die parlamentarische Monarchie die meisten seiner Grenzen zu Südafrika und Premierminister Thomas Thabane – der des Mordes an seiner Frau beschuldigt ist – erklärte den nationalen Notstand. Ende März kam die totale Ausgangssperre, die teils drakonisch durchgesetzt wird.

Die Schulen sind geschlossen, doch sie ernähren weiter viele Schulkinder, die nur dort eine Mahlzeit bekommen. Im kleinen Lesotho gibt es sehr wenig Testkapazitäten, um Covid-19 nachzuweisen. Erst kürzlich wurde damit begonnen, Tests, die auf Auswertung warten, nach Südafrika zu schicken.