Berlin - Die Ankündigungen sind mächtig: Klare Worte werde die Kanzlerin finden, sagt Vize-CDU-Chefin Julia Klöckner am Morgen nach dem nächsten CDU-Absturz, der diesmal nicht an Angela Merkels Wahlkreisland stattgefunden hat, sondern an ihrem Wohnort Berlin. Die Chefin habe „einen neuen Duktus“ gefunden, befindet einer aus der Parteiführung nachdem man mehrere Stunden gemeinsam beraten hat.

Es ist eine reguläre Sitzung gewesen von CDU-Präsidium und -Vorstand, aber eigentlich müsste man sie wohl als Krisensitzung bezeichnen. Bei allen fünf Landtagswahlen hat die CDU in diesem Jahr ihr Ziel verfehlt, in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ist sie unter die 20-Prozent-Marke gestürzt. Nicht mehr große Volkspartei ist sie dort, sondern eine von vielen. Auf der rechten Seite ist mit der AfD eine Konkurrenz erwachsen, die sich nun doch nicht so schnell wieder zu verflüchtigen scheint. Eine Art Bilanz des Wahljahrs 2016 steht also an, das gleichzeitig das Jahr 1 der Flüchtlingskanzlerin ist und das letzte Jahr vor der Bundestagswahl.

Und nun also: Klare Worte von der Kanzlerin. Klingt spannend.

Merkel tritt mit dem Berliner Spitzenkandidat Frank Henkel vor die Presse, was üblich ist an solchen Nachwahltagen. Aber Henkel, für CDU-Verhältnisse leger weil ohne Krawatte, muss erst einmal ziemlich lange warten, bis er seine Niederlage noch einmal bewerten darf. Erst einmal ist die Kanzlerin dran, sie hält sich nicht lange mit Berlin auf. „Ein unbefriedigendes, enttäuschendes Ergebnis“, sagt sie nur. Dann kommt sie zum Grundsätzlichen, es ist fast eine Art Ansprache. „Ich werde Sie ausführlicher als sonst an meinen Gedanken teilhaben lassen“, kündigt sie an. Die Gedanken hat sie schriftlich festgehalten. Sie liest von ihrem Manuskript ab.

Die Sätze purzeln aus Merkels Mund

Sie sagt, am liebsten hätte sie schon nach der Mecklenburg-Vorpommern-Wahl etwas gesagt, aber da sei sie ja nun mal beim G20-Gipfel in China gewesen, „nicht der richtige Ort“ für lange Wahlanalysen. Aber jetzt purzeln die Sätze aus ihrem Mund, fast eilig, als hätten sie dort wirklich schon zwei Wochen gewartet oder schon länger. Merkel gönnt sich keine spontanen Ergänzungen. Es geht in ihrer Rede ausschließlich um die Flüchtlingspolitik, um Fehler und Missverständnisse, darum was sie ändern kann, was sie gern ändern würde und was sie nicht ändern will.

Ändern, sagt Merkel, wolle sie gerne ihre Kommunikation. Vielleicht habe sie ihre Flüchtlingspolitik nicht ausreichend erklärt. Sie wolle sich „gerne darum bemühen“, das künftig besser zu machen. Und sie erläutert wortreich ihr Unglücklichsein mit ihrem Satz „Wir schaffen das“. In den sei „so viel hineingeheimnist worden, so viel, dass ich ihn kaum noch wiederholen mag“. Er sei zur Leerformel geworden, dabei habe sie ihn doch anders gemeint, „anspornend und anerkennend“ nämlich. Und es sei ihr doch klar, dass man die Aufgabe „nicht mal eben einfach so mache“.