Berlin - Angela Merkel ist keine große Rednerin. Einige Zitate der Kanzlerin haben es jedoch zu Ruhm gebracht.

1. SELBSTVERSTÄNDNIS

„Ich gehöre nicht zu den am härtesten gesottenen Politikern, aber ich weiß, dass ich durchkomme“.

1992 Interview mit Herlinde Koelbl 

Am Anfang ihrer politischen Karriere war Angela Merkel alles mögliche: Kohls Mädchen, der harmlos-farblose Ost-Import in Bonn, neue Ministerin zwar, aber im Frauenressort, das damals noch weniger ernst genommen wurde als heute. Im Bonner Politik-Treibhaus erschien die Frau Ende 30 nicht als Schwergewicht. Merkel zeigte sich unbeeindruckt. Binnen weniger Jahre war die Pfarrerstochter nach der Wiedervereinigung von der DDR-Physikerin zur Vize-Regierungssprecherin und dann zur Ministerin geworden. „Eine ziemlich rasante Karriere“, findet sie heute selber.

Die  eingespielte Männerpolitikgesellschaft nahm Merkel  mit gönnerhaftem Schultertätscheln auf. Sie beobachtete, wurde Umweltministerin, weinte auch mal über einen Skandal, war fasziniert von der Pendel-Diplomatie, die auf internationalen Konferenzen selbst für winzigste Kompromisse notwendig war. „Ich musste alles lernen“, hat Merkel festgestellt.

Andere  unerfahrene Minister scheiterten, Frauenministerin Claudia Nolte etwa, ein weiteres Kohl-Mädchen. Merkel blieb und wurde, Ost-Quote sei Dank, auch noch Vize-CDU-Vorsitzende. In Interviews aus dieser Zeit Anfang der 90er-Jahre offenbart sich  nicht nur gesundes Selbstvertrauen, sondern auch eine gute Portion Realismus: „Wer wird mich noch freundlich grüßen, wenn ich morgen nicht mehr Ministerin bin? Sicher sehr viel weniger.“ Das mag geholfen haben.