Berlin - Senegal, Ghana, Nigeria, drei afrikanische Länder in drei Tagen bereist die Kanzlerin, und es geht dabei vor allem um den Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen. Dahinter steht der Gedanke, dass afrikanische Länder nur demokratisiert und stabilisiert werden können, wenn die Menschen eine Perspektive haben. „Partnerschaft auf Augenhöhe“ heißt die Maxime der deutschen Afrikapolitik und auch die der Europäischen Union seit einiger Zeit. „Afrika ist unser Nachbarkontinent und durch die Globalisierung auf der einen Seite, aber auch die Digitalisierung wachsen unsere Kontinente, der europäische und der afrikanische, immer enger zusammen“, sagte Merkel am Wochenende in einer Videobotschaft.

Menschen aus Nigeria strömen nach Europa

Eine zentrale Rolle spielt aber auch die Bekämpfung von Fluchtursachen, auch darum wird es in den Gesprächen gehen. Aus keinem afrikanischen Land kommen derzeit so viele Menschen nach Europa wie aus Nigeria. In Deutschland haben laut Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in den ersten sechs Monaten knapp 6.000 Nigerianer einen Asylantrag gestellt, es liegt nach Syrien und dem Irak auf Platz 3 der Herkunftsländer. Ghana hingegen ist bereits seit vielen Jahren als sicherer Herkunftsstaat eingestuft, wer von dort nach Deutschland kommt, hat kaum Aussichten, Asyl zu erhalten.

In allen drei Ländern trifft Angela Merkel mit den jeweiligen Präsidenten zusammen, die Reise reihe sich ein in die intensiven Kontakte der Kanzlerin und der Bundesregierung mit afrikanischen Repräsentanten, heißt es aus Regierungskreisen in Berlin. Alle drei Präsidenten seien demokratisch gewählt, die Länder stünden aber nach wie vor großen sozialen und ökonomischen Herausforderungen. Merkel wird von einer elfköpfigen Wirtschaftsdelegation begleitet, aus den Bereichen Elektrifizierung, Infrastruktur, Digitalisierung und Wasserwirtschaft. Große Investitionsprojekte werden aber wohl nicht angekündigt werden.

Nigeria ist ein Gigant

Der Senegal, die erste Station der Kanzlerin, konnte zuletzt zwar ein recht hohes Wirtschaftswachstum von 7,2 Prozent verzeichnen, er ist aber immer noch eines der ärmsten Länder Afrikas. Deutlich besser steht Ghana da, das auch als politisch einigermaßen stabil gilt. Nigeria dagegen ist in jeder Hinsicht ein Gigant, es gehört neben Südafrika zu den größten Volkswirtschaften Afrikas südlich der Sahara und verfügt über riesige Erdölvorkommen.

Allerdings ist es politisch instabil, der Regierung in Abuja ist es bis heute nicht gelungen, die islamistische Terrormiliz Boko Haram zurückzudrängen. Auch im Nigerdelta gibt es seit Jahren schwere Unruhen. Das wirtschaftliche Ungleichgewicht spiegelt sich auch in den deutschen Investitionen nieder. Belaufen sie sich im Senegal nur auf 17 Millionen Euro, sind es in Ghana 45 Millionen, in Nigeria 183 Millionen.

Für deutsche Unternehmen, die sich insbesondere im frankofonen Afrika schwer tun, gibt es also durchaus Nachholbedarf. Vor allem die Großmacht China investiert seit Jahren Hunderte von Milliarden US-Dollar in afrikanischen Staaten, und der Führung in Peking ist es egal, ob sie demokratisch regiert sind. Erst kürzlich reiste Präsident Xi Jinping durch den Kontinent. China baut Eisenbahnen, Brücken, Industrieparks und Telekommunikationsnetze und sichert sich im Gegenzug den Zugang zu landwirtschaftlichen Flächen und Rohstoffen. Über die neue Seidenstraße sollen langfristig auch 20 afrikanische Staaten miteinander verbunden werden.

Der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft begrüßt Merkels Reise denn auch. Sie sei „ein gutes Signal, sowohl an die deutsche Wirtschaft als auch an unsere afrikanischen Partner“, sagt dessen Vorsitzender Stefan Liebing, der Mitglied von Merkels Delegation ist. Er verweist darauf, dass das deutsche Engagement in Afrika zuletzt deutlich gestiegen sei.