Heidelberg - Donald Trump ist bei der CDU zu Gast, der deutsche Donald Trump, zumindest nennt er sich so. Die CDU hat zur Regionalkonferenz nach Heidelberg geladen, um die Basis auf einer erneute Kanzlerkandidatur Angela Merkels vorzubereiten. Merkel hat geredet, über soziale Marktwirtschaft und christliche Werte. Dann geht der deutsche Donald Trump ans Rednerpult und sagt, er würde gerne Verantwortung für Deutschland übernehmen.

Er empfiehlt Anstecknadeln in Deutschlandfahnenfarben, die gebe es „für jede Kleidung“. Er bittet um Ruhe und sagt, die Farben hätten Bedeutung: „Schwarz gegen das Chaos, Rot für die Liebe, Gelb für die Sonne für Groß und Klein.“ Merkel sagt später, sie lasse den Beitrag „jetzt mal für sich stehen“.

Aber erstmal ist sie noch nicht wieder dran. Die Zuschauer können fragen, manche halten auch kleine Referate. Und Urich Sauer aus Karlsruhe, CDU-Mitglied seit 1960 und als Vierter an der Reihe, sagt: „Frau Bundeskanzlerin, treten Sie zurück.“ Mit ihrer Flüchtlingspolitik habe Merkel dem Land eine Hypothek aufgeladen, die es so schnell nicht wieder los werde – „und wenn, dann sicher nicht mit Ihnen“. Er redet ruhig und bedächtig, er erntet einzelne Pfiffe. Direkt nach ihm wird ein pensionierter Berufsschullehrer aufgerufen.

Er berichtet über seine Arbeit mit Flüchtlingen und übergibt an Edris, einen kleinen afghanischen Jungen: „Ich danke Ihnen, Frau Merkel“, sagt der. „Ich freu mich sehr sehr viel.“ Merkel lobt sein Deutsch. „Dann üb mal weiter“, sagt sie. Und weil Edris gerne mal ihre Hand schütteln will, geht sie dann doch zu ihm. Ein strahlender Vater, ein weinender Junge, ein Foto.

„Auch mal in Flüchtlinge reinversetzen“

Mit Ulrich Sauer gibt es kein Foto, ihm erklärt Merkel aber nochmal wortreich ihre Politik von der Aufnahme von „Menschen in absoluter Not“ bis zum EU-Flüchtlingspakt. Sie sagt, sie habe intensiv darüber nachgedacht, dass sie Herrn Sauer aber vermutlich nicht überzeugen werde. „Sie haben eine gefestigte Meinung.“

Man habe gerade die gesamte Spannbreite der gesellschaftlichen Debatte über die Flüchtlingspolitik erlebt, bemerkt sie zu Sauer und dem Berufsschullehrer. Zuvor hat sie dazu aufgerufen, anders als im US-Wahlkampf, die Meinung anderer zu akzeptieren. Sie sagt auch, man müsse sich mal in Flüchtlinge reinversetzen, die sich in Deutschland zurechtfinden müssten. „Wir sind ja auch nicht einfach“, sagt Merkel. Das Publikum lacht. Es bleibt bei einer Rücktrittsforderung, andere fordern Überstunden-Lohn steuerfrei zu stellen oder „ein Konrad-Adenauer-Haus in Bagdad“.

Es gibt Fragen zur Rentenpolitik und zum Waffenexport. Das Lob für Merkel überwiegt und die Zahl der männlichen Fragesteller aus. Zum Schluss sind doch noch zwei Frauen an der Reihe. Eine empfiehlt, die Nationalhymne ins Grundgesetz aufzunehmen. Das wäre doch „ein schönes Zeichen“.