Istanbul - Im Streit um die Einrichtung einer Sicherheitszone an der syrisch-türkischen Grenze hat der neue US-Verteidigungsminister Mark Esper die Türkei vor einem Angriff auf die kurdische YPG-Miliz im Norden Syriens gewarnt. „Ein einseitiges Vorgehen (der türkischen Armee) wäre inakzeptabel“, sagte Esper am Dienstag während einer Asienreise.

Derweil trafen sich die Unterhändler Washingtons und Ankaras zu einem letzten Gesprächsversuch über die seit langem von der Türkei geforderte Pufferzone. Die US-Regierung versuche, eine Einigung mit der Türkei zu finden, in der die Sorgen Ankaras Berücksichtigung fänden. Ziel sei es, „einseitige Angriffe“ zu verhindern, betonte Esper.

Recep Tayyip Erdogan droht mit Militäreinsatz

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Sonntag mit einem Militäreinsatz gegen die Kurdenmiliz YPG im Norden Syriens gedroht. Die YPG ist einer der wichtigsten US-Verbündeten im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Nordsyrien - zum Unmut der Regierung in Ankara, die die YPG wegen ihrer Nähe zur Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als „Terrororganisation“ einstuft. Die Türkei fordert seit Jahren die Schaffung einer Sicherheitszone an ihrer Grenze, um die YPG zurückzudrängen.

Zuletzt hatten auch die syrischen Kurden vor einer türkischen Offensive auf den kurdisch kontrollierten Teil Nordsyriens gewarnt. Die Türkei müsse „abgeschreckt“ werden - andernfalls werde Ankara „definitiv in die Offensive gehen“, sagte der hochrangige Kurdenvertreter Aldar Chalil im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP.

Donald Trump schlug Pufferzone vor

Die Türkei ging seit 2016 bereits zwei Mal gegen die YPG in Nordsyrien vor. Als Erdogan im Dezember mit einer neuen Offensive drohte, schlug US-Präsident Donald Trump die Schaffung einer 30 Kilometer breiten Pufferzone entlang der Grenze vor. Die Türkei bot an, eine solche Pufferzone umzusetzen.

Die Kurden lehnen eine türkische Beteiligung jedoch vehement ab. Am Montag forderte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu die USA dazu auf, die Zusammenarbeit mit der YPG zu beenden. Die Kurden seien in dem Streit „flexibel“ und würden einer fünf Kilometer breiten Zone zustimmen, betonte Chalil. Dies habe die Türkei jedoch abgelehnt. In den vergangenen Wochen veröffentlichten türkische Medien regelmäßig Aufnahmen von Militärkonvois, die Ausrüstung und Einheiten in Richtung der syrischen Grenze transportierten.

„Terrorkorridor östlich des Euphrat zu zerstören“

Erdogan hatte Ende Juli gesagt, unabhängig vom Ausgang der Diskussionen über die Sicherheitszone sei die Türkei entschlossen, „den Terrorkorridor östlich des Euphrat zu zerstören“.

Nicholas Heras, Experte am US-Institut Center for a New American Security, sagte, Washington ziehe inzwischen die Möglichkeit gemeinsamer Patrouillen mit der Türkei entlang einer künftigen Sicherheitszone in Erwägung. Die US-Regierung sei nun der Ansicht, dies sei „der einzige Weg, um die türkische Armee von einem Einmarsch abzuhalten“, sagte Heras. (afp)