Comedian Abdelkarim Zemhoute und sein ZDF-Team wurden am 1. Mai das Ziel von Angreifern. 
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BerlinMit Empörung hat Bundesinnenminister Horst Seehofer den Angriff auf ein Team der ZDF-„heute-show“ in Berlin kommentiert. Gleichzeitig wies er auf die Verpflichtung der Sicherheitsbehörden hin, Medienvertreter auch auf Demonstrationen zu schützen. „Die Freiheit der Presse ist eine Säule unserer Demokratie. Der Staat hat zu garantieren, dass dieses Grundrecht zu jeder Zeit und an jedem Ort gewährleistet ist“, sagte der CSU-Politiker am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur.

Das siebenköpfige Team der Satiresendung, zu dem neben Kameraleuten, einem Redakteur und Comedian Abdelkarim auch drei Security-Mitarbeiter gehörten, hatte am Freitag bei einer Demonstration gegen die Corona-Regeln gefilmt. Anschließend wurde das Team laut Polizei von 20 bis 25 Vermummten so brutal angegriffen, dass sechs von ihnen im Krankenhaus behandelt werden mussten. Nach ersten Erkenntnissen der Berliner Behörden sind Tatverdächtige, die vorübergehend festgenommen wurden, dem linken Spektrum zuzurechnen.

Wer Journalisten angreife, müsse „die Kraft unseres Rechtsstaates zu spüren bekommen“, betonte Seehofer. Gewalt und Gewaltandrohungen müssten geächtet werden - „es geht hier um die Grundwerte unseres Gemeinwesens“.

Die  Tatverdächtigen sind wieder auf freiem Fuß. Es seien keine Haftbefehle erlassen worden, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Berlin am Sonnabendabend im Online-Dienst Twitter mit. Es bestünden „kein dringender Tatverdacht bzw. keine Haftgründe“.  Es handelte sich um sechs Tatverdächtige - vier Männer und zwei Frauen.

Den Ermittlungen zufolge wurden die Mitglieder des ZDF-Teams geschlagen, offenbar auch mit einer Metallstange. Am Boden liegend seien sie getreten worden. Nach Angaben des ZDF wurden sechs Mitarbeiter verletzt. „Neben dem Redakteur, dem Kameramann und dem Kameraassistenten wurden drei Security-Mitarbeiter, die das Kamerateam begleitet hatten, im Krankenhaus behandelt“, teilte der Sender am Sonnabendabend mit. „Alle sechs haben das Krankenhaus bereits gestern wieder verlassen.“ Die Polizei sprach hingegen von vier Verletzten.

Der Vorfall ereignete sich bei Dreharbeiten für die „heute-show“ in Berlin-Mitte. Dem ZDF zufolge wurden die Mitarbeiter angegriffen, als sie auf dem Weg zu ihren Fahrzeugen waren. ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler verurteilte die Tat. „Die Pressefreiheit ist - gerade in diesen Tagen - ein hohes Gut“, erklärte Himmler. „Unsere Sorge gilt nun jedoch zuallererst den Team-Mitgliedern und ihrer Gesundheit.“

„Wir sind schwer betroffen und wünschen den Kollegen eine schnelle Genesung“, erklärte die Redaktion der „heute-show“ auf Twitter. „Mehrere Teammitglieder sind im Krankenhaus, unser Reporter Abdelkarim ist unverletzt.“

Der Kabarettist Abdelkarim Zemhoute selbst bedankte sich auf Twitter für die große Anteilnahme und wünschte den verletzten Team-Mitgliedern gute Besserung.  

„Wir stehen auf Eurer Seite“, schrieb Außenminister Heiko Maas (SPD) ebenfalls auf Twitter. Er nannte den Angriff „erschreckend“. „Ein Angriff gegen Medien ist ein direkter Angriff auf unsere Demokratie“, schrieb Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt in dem Internetdienst und forderte eine schnelle Aufklärung.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) reagierte entsetzt auf den Angriff. „Ich wünsche den Kolleginnen und Kollegen, die bei der Attacke verletzt wurden, gute und schnelle Genesung“, sagte der DJV-Vorsitzende Frank Überall. „Das war ein feiger und durch nichts zu rechtfertigender Überfall auf Journalisten, die ihrer Aufgabe der Berichterstattung nachgekommen sind.“

Ähnlich äußerte sich die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (DJU): „Das war ein Angriff auf die Pressefreiheit, der nicht zu rechtfertigen ist und aufgeklärt werden muss. Die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden.“

Die „heute-show“ wurde am Freitagabend ausgestrahlt. Der Vorfall in Berlin wurde in der Sendung aber nicht thematisiert, da diese schon am frühen Nachmittag aufgezeichnet worden war. Die Dreharbeiten in Berlin waren für die nächste Sendung vorgesehen.

Der Berliner Polizei war es am 1. Mai im Stadtteil Kreuzberg nicht gelungen, die Corona-Regeln durchzusetzen und große Ansammlungen von Schaulustigen zu verhindern. Das räumten Innensenator Andreas Geisel (SPD) und Polizeipräsidentin Barbara Slowik am Sonnabend ein.