Als Annette Widmann-Mauz 1984 mit 18 Jahren in die CDU eintrat, traf sie auf eine Männerpartei. Helmut Kohl regierte seit 1982, das zog sich bis 1998 hin. Es gab viele Platzhirsche an seiner Seite, Politikerinnen weniger – immerhin prägte unter anderen Rita Süssmuth die Ära mit, nachher Angela Merkel. Doch viele Frauen gab es nie in der Spitzenmannschaft der Konservativen.

Heute,  Jahre später, hat sich nicht viel geändert – und nach der langen Ära Merkel ist es sogar noch auffälliger: Die CDU stellt derzeit keine Ministerpräsidentin, in den Führungsämtern sind Frauen unterrepräsentiert. Der Frauenanteil in der Partei liegt bei insgesamt 26,5 Prozent. Zum Vergleich: Bei den Grünen sind es 41 Prozent. Und als es darum ging, nach der Niederlage bei der Bundestagswahl 2021 einen neuen Parteichef oder eine Parteichefin zu wählen, stellte sich die Frage der Quote gar nicht: Friedrich Merz ist es geworden.

Da ist es nicht verwunderlich, dass Annette Widmann-Mauz, seit 2015 Vorsitzende der Frauenunion und ehemalige Anwärterin auf das Gesundheitsministerium – bei der Postenvergabe machte Jens Spahn das Rennen –, nun auf eine Frauenquote drängt. Getreu dem Motto, wenn es freiwillig nicht klappt, dann eben so.

Das Thema ist auch nicht neu, über eine Frauenquote streitet die CDU schon lange. 2020 hatte sich der Bundesvorstand der Partei hinter einen Vorschlag der Satzungskommission gestellt, dass schrittweise bis 2025 Parteivorstände ab der Kreisebene je zur Hälfte mit Männern und Frauen besetzt sein müssen. Hat es geholfen? Bislang nicht.

Druck der Frauen auf CDU-Parteichef Friedrich Merz wächst

Die 1966 in Tübingen geborene Politikerin wird daher vermutlich nicht lockerlassen. Prominente Unterstützerinnen stehen ihr zur Seite, wie die frühere Bundestagspräsidentin Süssmuth. Diese forderte am Montag den Parteivorsitzenden Merz auf, sich eindeutig zu positionieren. Merz war nie ein Fan der parteiinternen Frauenquote. Zeit für eine Zeitenwende.