Berlin - Die Nachricht war ein Schock – wieder einmal. Am Sonntagabend zündete ein 27-jähriger Asylbewerber bei einem Musikfestival im fränkischen Ansbach eine Bombe. Der Mann selbst kam um. Zwölf Menschen wurden verletzt. Fest steht, dass der Täter in psychiatrischer Behandlung war – und nach Bulgarien abgeschoben werden sollte.

Der Fall reiht sich ein in eine Reihe ähnlicher Fälle, die wie eine Serie anmuten. Und selbst wenn die Motivation des Täters von Ansbach im Dunkeln liegt, so fällt doch eines ins Auge: Die Urheber der letzten Gewaltverbrechen waren allesamt jung, fast ausnahmslos männlich und hatten durchweg einen Migrationshintergrund. Zum Teil mischen sich psychische Probleme mit kriminellen Vorgeschichten und politischen Motivationen. Dass junge Männer unter Extremisten aller Art überdurchschnittlich vertreten sind, sagen Fachleute seit langem. Zuweilen entsteht auch der Eindruck, gesellschaftlich Gescheiterte wollten ihr Scheitern durch Terror „veredeln“.

Angriff auf Bundespolizisten

Zunächst stach Safia S. im Februar in Hannover einem Bundespolizisten in den Hals. Die damals 15-Jährige hat eine streng religiöse marokkanische Mutter und einen deutschen Vater. Sie radikalisierte sich früh, bewegte sich in salafistischen Kreisen und wollte nach Syrien. Bis in die Türkei war Safia S. schon gelangt. Doch die Mutter holte sie zurück. Der Messerangriff nach einer Personenkontrolle des Mädchens durch den Bundespolizisten war eher nicht geplant, passt aber zur Radikalisierung.

Anschlag auf Sikh-Tempel

Im April warfen Mohammed B. und Yussuf T. in Essen einen Sprengsatz in einen Sikh-Tempel. Es gab drei Verletzte, aber keine Toten. Begründung: Muslime würden durch die Religionsgemeinschaft der Sikhs unterdrückt. Ein Dritter, Tolga I., zog die Fäden. Ihm werden Verbindungen zur islamistischen Lohberger Brigade nachgesagt. Die drei waren 16 bzw. 17 Jahre alt, hatten teilweise Sympathien für den so genannten Islamischen Staat oder waren durch kriminelle Delikte wie Körperverletzung und Diebstahl aufgefallen. Eine Mutter hatte schon 2015 der Polizei erzählt, ihr Sohn habe sich radikalisiert. Die Behörde nahm ihm den Pass ab, um eine Ausreise nach Syrien zu verhindern.

Axt-Angriff im Zug

Es folgte am Montagabend voriger Woche der 17-jährige afghanische Flüchtling R. Er verließ das Haus seiner Pflegeeltern nahe Würzburg, bewaffnet mit einer Axt und einem Messer, und schlug anschließend zunächst in einem Regionalzug und dann in einem Wohngebiet wahllos auf seine Opfer ein. Fünf Menschen wurden schwer verletzt. Zwei schwebten zuletzt noch in Lebensgefahr. Der Täter  wurde von der Polizei erschossen. Er hatte, wie man jetzt weiß, vor der Tat ein Video mit einem islamistischen Bekenntnis angefertigt und über einschlägige Kanäle verbreitet.

Amok in München

Am Freitagabend beging David S. in München einen Amoklauf. Der 18-jährige Schüler, dessen Eltern Ende der 90er Jahre als Asylbewerber nach Deutschland kamen, erschoss neun überwiegend junge Menschen, die teilweise ebenfalls einen Migrationshintergrund hatten, und tötete sich danach vor den Augen von Polizisten. S. orientierte sich an dem norwegischen Massenmörder Anders Breivik und dem Amoklauf von Winnenden. Er litt an Depressionen. Für ein politisches Motiv gibt es keine Indizien. Ein 16-jähriger Freund aus der Psychiatrie soll Mitwisser gewesen sein.

Messer-Angriff in Reutlingen

Am frühen Sonntagabend nun ging ein 21-jähriger Syrer im baden-württembergischen Reutlingen mit einer Machete auf eine ihm bekannte 45-jährige Frau aus Polen los und tötete sie. Vor seiner Festnahme verletzte er fünf weitere Menschen. Auch hier fehlen Hinweise auf einen politischen Antrieb. Dafür war der Täter wegen Körperverletzung, Drogen- und Eigentumsdelikten aktenkundig.

Attentat in Ansbach

Schließlich Ansbach. Der Selbstmordattentäter war mit 27 Jahren der Älteste unter den Genannten. Sein Asylgesuch war vor einem Jahr abgelehnt worden. Er wurde jedoch wegen des Bürgerkriegs weiter geduldet. Ob der Grund für den Anschlag in dieser Ablehnung liegt oder anderer Natur ist, muss noch ermittelt werden.

Der Terrorismusexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik, Guido Steinberg, hatte bereits nach dem Würzburger Fall darauf hingewiesen, dass die Differenzierung zwischen Terror und Amok schwieriger werde und vor zu einfachen Erklärungen gewarnt. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte nach Würzburg, man schätze die Terrorgefahr unabhängig vom Flüchtlingszuzug hoch ein. Man könne aber auch nicht sagen, dass es zwischen Flüchtlingen und Terrorismus keinen Zusammenhang gebe. Beides gilt nach den jüngsten Taten mehr denn je.