Eine „tolle Diskussion zu einem sehr schwierigen Thema“ habe sich mit den Schülern bei ihrem Besuch im Bundestag ergeben, lobt die CDU-Abgeordnete Uda Heller (CDU) aus Mansfeld in Sachsen-Anhalt auf ihrer Facebook-Seite. Die Sekundarschüler aus ihrem Wahlkreis „nahmen die aktuelle Situation zum Anlass zahlreiche Fragen rund um die Sicherheitslage und die derzeitige Flüchtlingskrise zu stellen“.

Allerdings: Die Besuchergruppe war um die Hälfte dezimiert, 25 von 50 Schülern war der Bundestagsbesuch von den Eltern verboten worden – sie hatten „Bedenken wegen der derzeitig angespannten Lage“, schreibt Heller. „Wir fanden dies sehr schade!“

Was den Bundestag angeht, ist die Absage zwar ein Einzelfall. Der Besucherdienst habe keinen Rückgang der Besuchergruppen nach den Terroranschlägen in Paris registriert, teilte er auf Anfrage dieser Zeitung mit. Die Verwaltung mochte zwar keine Auskunft über den Umgang mit der Sicherheitslage für die Parlamentsgebäude geben, verwies aber auf die allgemein hohen Sicherheitsstandards mit Einlasskontrollen wie am Flughafen und verpflichtenden Voranmeldungen für Besuchergruppen. Doch die Unsicherheit an den deutschen Schulen, wie mit der Lage umzugehen ist, ist weit verbreitet.

Keine einheitlichen Vorgaben

So stehen vielerorts vor allem Klassenfahrten nach Frankreich auf der Kippe. Einige wurden bereits abgebrochen oder abgesagt, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab, darunter von Schulen in Sachsen-Anhalt, Thüringen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg.
Hintergrund ist, dass die zuständigen Schulministerien der deutschen Bundesländer keine einheitlichen Vorgaben machen wollen, sondern den einzelnen Schulen die Entscheidung freistellen. Im zentralistisch organisierten Frankreich hatte dagegen das nationale Bildungsministerium nach den Terroranschlägen sämtliche Schülerausflüge, Exkursionen und auch Schüleraustausch untersagt: aus Sicherheitsgründen. Das wirft die Frage auf, wie deutsche Schüler in Austauschprojekten damit umgehen sollen - oder eben deutsche Klassen, die in Frankreich unterwegs sind.

Das Deutsch-Französische Jugendwerk kann darauf keine allgemeine Antwort geben. Es bestätigte aber die Unsicherheit. So seien nach den Attentaten zwar nicht viele, aber einzelne Fahrten storniert worden, erklärte das Jugendwerk in Berlin. Zudem hätten mehrfach besorgte Eltern angerufen, die nicht wüssten, ob sie ihre Kinder zu Gastfamilien in Frankreich reisen lassen sollten.

Viele Schulen halten auch an Reiseplänen nach Frankreich fest

In Sachsen-Anhalt hat das Dessauer Liborius-Gymnasium 17 Schüler zurückgeholt, die seit Donnerstag voriger Woche in Roubaix an der Grenze zu Belgien waren. Auch das Erfurter Heinrich-Mann-Gymnasium in Thüringen brach eine Austauschreise mit etwa 35 Schülern vorzeitig ab.

Bei der abgesagten Reise aus Rheinland-Pfalz handelt es sich um die Fahrt einer Integrierten Gesamtschule aus Contwig zur Fußball-Europameisterschaft im Sommer 2016 nach Paris. Nach den Anschlägen hätten sich sofort besorgte Eltern erkundigt, wie die Sicherheit der Jugendlichen gewährleistet werden könne, sagte Lehrerin Steffi Theis der DPA. Da das nicht möglich sei, habe man aus Sicherheitsgründen die Reise storniert. In Freiburg sagte ein deutsch-französisches Gymnasium eine Fahrt zu einer Bildungsmesse nach Straßburg ab.

Viele Schulen halten aber auch an ihren Reiseplänen nach Frankreich fest, trotz des Ausnahmezustands, der in Frankreich voraussichtlich bis Ende Februar gilt und der auch strengere Kontrollen für Reisende vorsieht. Sie könne die Verunsicherung zwar nachvollziehen, sagte Niedersachsens Kultusministerin, Frauke Heiligenstadt. Der Terror dürfe aber nicht dazu führen, „dass wir uns langfristig in unserer Freiheit und unserem Handeln einschränken lassen“, erklärte die SPD-Politikerin.