Terrorist Anis Amri.
Foto: dpa/Bundeskriminalam

BerlinEin Vertreter der Bundesanwaltschaft hat im Untersuchungsausschuss des Bundestages jetzt mit Recht darauf hingewiesen, dass Gefährdungsbewertung von Extremisten „ein sehr heikles Geschäft“ sei, bei dem man nur verlieren könne. Findet ein Anschlag statt, waren die Sicherheitsbehörden ahnungslos oder bewerteten das Risiko falsch. Findet er nicht statt oder verhindern ihn die Sicherheitsbehörden, merkt es die Öffentlichkeit nicht oder reagiert achselzuckend.

Im vorliegenden Fall aber muss man das BKA hart kritisieren. Es wäre schlimm genug, dass ein für die Bewertung des Breitscheidplatz-Attentäters Anis Amri zuständiger Beamter diesen nicht ernst genommen hat. Doch er wollte sogar, so scheint es, offensiv verhindern, dass andere ihn ernst nehmen, und hat zu diesem Zweck vermutlich einen Kollegen vom Landeskriminalamt in den Senkel gestellt. Nun, fast vier Jahre später, hinterlässt derselbe Beamte den Eindruck, als habe er ein gespaltenes Verhältnis zur Wahrheit.

Die Gründe liegen im Dunkeln. So oder so aber ist der Vorgang angesichts der Sache, um die es geht, erstaunlich. Denn hätte das BKA die Angaben eines offenbar gut informierten V-Mannes über Amri für bare Münze genommen – so wie das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen –, dann wäre die Chance zumindest größer gewesen, das grauenhafte Verbrechen zu verhindern. Jetzt wirkt es, als habe nicht zuletzt die Konkurrenz der Sicherheitsbehörden die Terrorbekämpfung erschwert. Das wiederum erinnert fatal an den NSU-Skandal.

Die Neuigkeiten zeigen, dass Untersuchungsausschüsse Unerwartetes ans Licht bringen können. Es lohnt sich, zu graben.