Anschlag: Drei Tote und sechs Verletzte bei Attentat in Tel Aviv

Augenzeugen berichteten von minutenlang andauernden Gewehrsalven, von Menschen, die eben noch in Cafés saßen oder durch das Einkaufsviertel bummelten und plötzlich in Panik um ihr Leben rannten. Zum dritten Mal in sechs Monaten war Tel Aviv am Mittwochabend mit einem tödlichen Attentat in Ausgehvierteln konfrontiert. Mindestens drei Menschen starben, sechs weitere Personen wurden teils schwer verletzt, als zwei bewaffnete Männer, verkleidet als ultraorthodoxe Juden, am Sarona-Markt, nahe dem Restaurant Benedikt, wahllos in die Menge feuerten.

Attentäter festgenommen

Die beiden Attentäter konnten überwältigt und festgenommen werden. Die Meldung des Senders „Al Arabia“, die Täter stammten aus der Region in der Westbank wurde offiziell nicht bestätigt. Die Behörden gehen aber davon aus, dass es sich um Palästinenser handelt. Einer der Angreifer wurde mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Sein Zustand sei ernst, erklärte Polizeisprecherin Luba Samri. Nach einem möglichen dritten Mann wurde laut Polizeigaben gefahndet.

Mittwoch war der zweite Tag im Ramadan. Israelische Sicherheitsbehörden hatten gerade erst die Hoffnung geäußert, wenn es während des muslimischen Fastenmonats ruhig bleibe, könne man von einem Ende der im vorigen Herbst begonnenen Gewaltserie ausgehen. In Tel Aviv gab es überdies in den vergangenen Jahren weit seltener Anschläge als in Jerusalem, das mit seinen heiligen Stätten viel mehr im Zentrum des Konflikts steht.

"Wir suchen weiter nach Frieden"

Bürgermeister Ron Huldai appellierte denn auch an die Bürger, Ruhe zu bewahren. Seit Jahren wisse man um die Terrorgefahr. „Aber wir lassen uns von keinem Terror unterkriegen. Wir suchen weiter nach Frieden.“ Die schockierenden Bilder trafen allerdings nicht nur die Menschen in Tel Aviv, sondern in ganz Israel.

Premier Benjamin Netanjahu, der gerade ers tvon einer Russlandreise heimgekehrt war, rief sofort nach seiner Landung das Sicherheitskabinett zusammen. Sollte sich herausstellen, dass eine militante Organisation hinter dem Anschlag steckt, dürfte eine militärische Antwort seitens Israels kaum zu verhindern sein. Die brisante Lage ist zudem ein erster Test für den neu ernannten Verteidigungsminister Avigdor Lieberman, bekannt als ultrarechter Hardliner. Seit seinem Amtsantritt kehrt er zwar heraus, wie verantwortungsbewusst er vorzugehen gedenke. Aber noch vor Wochen hatte er sich in der Opposition als Draufgänger präsentiert, der im Kampf gegen die Hamas und andere palästinensische Militante vor nichts zurückschrecke. (mit AFP)