Berlin - Bei dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt hat laut Medienberichten offenbar ein automatisches Lkw-Bremssystem verhindert, dass der Attentäter seine tödliche Fahrt fortsetzte. „Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR berichteten unter Berufung auf Ermittler, der Lastwagen sei nur deshalb nach 70 bis 80 Metern zum Stehen gekommen, weil die Zugmaschine mit einem automatischen Bremssystem ausgerüstet war. Dieses reagiere auf einen Aufprall und betätige dann automatisch die Bremsen.

Das Advanced Emergency Braking System, kurz AEBS, genannte Notbremssystem ist seit dem 1. November Pflicht in allen neuen Lkw über acht Tonnen. Radar- und Kamera-Radar-Sensoren erkennen Hindernisse und lösen im Notfall eine Vollbremsung aus – bis hin zum Stillstand des Fahrzeugs. „Diese Technik hat Leben gerettet“, zitierten die Medien Berliner Regierungskreise.

Dass das Notbremssystem im Scania tatsächlich geholfen hat, ist allerdings auch der fehlenden Professionalität des Fahrers zu verdanken. Denn ein Notbremsassistent ist so konzipiert, dass der Lkw-Fahrer immer die Möglichkeit hat, das System zu überstimmen. Dafür genügt ein beherzter Tritt auf das Gaspedal.

Zunächst war spekuliert worden, der polnische Lastwagenfahrer könne dem Attentäter ins Lenkrad gegriffen und damit Schlimmeres verhindert haben. Offenbar wurde der Pole jedoch schon einige Zeit vor dem Anschlag durch einen Kopfschuss verwundet und war somit nicht mehr handlungsfähig.

GTAZ beschäftigte sich mindestens sieben Mal mit Amri

Wie „Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR weiter berichteten, beschäftigte sich das Gemeinsame Terrorismus-Abwehrzentrum (GTAZ) in Berlin zwischen Februar und November dieses Jahres mindestens siebenmal mit dem mutmaßlichen Attentäter Anis Amri. Interne Behördenunterlagen, die nur fünf Tage vor dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt entstanden, beschreiben demnach Amris Werdegang in Deutschland. Demnach habe der Tunesier im Internet Anleitungen zum Bau von Rohrbomben und zur Herstellung von Sprengstoffen wie TNT gesucht. Zudem habe er offenbar schon im Februar Kontakt zur Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ gesucht und sich als Selbstmordattentäter angeboten.

Mindestens zweimal sei im GTAZ die Frage diskutiert worden, ob Amri einen konkreten Anschlag in Deutschland plane. Beide Male sei dies als unwahrscheinlich eingestuft worden. Amri hatte nach bisherigen Ermittlungen am Montag vergangener Woche einen Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gesteuert. Bei dem Anschlag wurden zwölf Menschen getötet, darunter der polnische Lkw-Fahrer. In der Nacht zum Freitag wurde Amri nach mehrtägiger Flucht in einem Mailänder Vorort bei einer Polizeikontrolle getötet. (jk/AFP)