Berlin - Seit zwei Wochen verfolgen Ermittler europaweit die Spur des Berlin-Attentäters Anis Amri. Nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt mit zwölf Toten und mehr als 50 Verletzten kommen nur spärlich Details ans Licht. Zentrale Fragen sind noch immer offen. Jetzt gibt es Antworten zur Flucht - und Ermittlungen zu möglichen Helfern. Ein Überblick:

Was wir wissen

Über die Tat: Am 19. Dezember 2016 rast der 24-jährige Anis Amri mit einem Lastwagen in eine Budengasse des Weihnachtsmarkts an der Berliner Gedächtniskirche. Elf Menschen sterben, ein weiterer Toter wird im Lkw-Führerhaus entdeckt: der aus Polen stammende eigentliche Fahrer. Ein automatisches Bremssystem stoppt das Fahrzeug nach 70 bis 80 Metern und verhindert eine größere Tragödie.

Über den Täter Amis Amri: Die Bundesanwaltschaft hält Amri für den Täter: „Nach unseren Erkenntnissen, nach all dem, was wir zusammengetragen haben, gehen wir davon aus, dass Anis Amri den Anschlag begannen hat“, sagt eine Sprecherin am Mittwoch. Einen Tag nach dem Anschlag werden seine Papiere und Fingerabdrücke in der Lkw-Fahrerkabine gefunden. Amri wird am 23. Dezember in Sesto San Giovanni bei Mailand bei einem Schusswechsel mit italienischen Polizisten erschossen, die seinen Ausweis kontrollieren wollen.

Über die Stunden vor der Tat: Am Abend zuvor trifft sich Amri laut Bundesanwaltschaft mit einem Bekannten in einem Restaurant im Stadtteil Gesundbrunnen. Die beiden reden dort sehr intensiv miteinander. Am Tattag versucht Amri vor- und nachmittags einen ehemaligen Mitbewohner anzurufen. Die Bundesanwaltschaft weiß aber nicht, ob sie tatsächlich miteinander gesprochen haben.

Bereits am Nachmittag ist Amri in der Straße, wo er später den Lastwagen mitnimmt. Dann fährt er zu einer in der Nähe gelegenen und als Salafisten-Treffpunkt bekannten Moschee, die Amri nach Ermittlererkenntnissen häufig besucht hat. Gegen 19.30 Uhr kommt der Tunesier laut Bundesanwaltschaft zurück zum Lastwagen. Hier schießt er auf den polnischen Fahrer - das hat die Analyse der Schmauchspuren ergeben. Dann fährt er in Richtung Weihnachtsmarkt.

Über Amris Leben in Deutschland: Nach Deutschland kommt er im Juli 2015. Zuvor ist er in Italien registriert, sitzt dort auch im Gefängnis. In Deutschland hält er sich in Nordrhein-Westfalen und Berlin auf. Er nutzt mehrere Identitäten, weswegen in Duisburg und Berlin gegen ihn ermittelt wird. Sein Asylantrag wird abgelehnt, er kann aber nicht nach Tunesien abgeschoben werden, da nötige Papiere aus dem nordafrikanischen Land fehlen. Amri wird von Sicherheitsbehörden als sogenannter islamistischer Gefährder geführt und etwa ein halbes Jahr lang überwacht. Man traut ihm zu, ein Attentat zu verüben. Beweise für konkrete Anschlagspläne finden die Ermittler damals nicht.

Über einen islamistischen Hintergrund: Die Bundesanwaltschaft hält ein Video für authentisch, in dem Amri sich zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekennt. Das IS-Sprachrohr Amak veröffentlicht es, nachdem Amri erschossen wurde.

Über den eigentlichen Lkw-Fahrer: Der Pole Lukasz U. wird im Lkw-Führerhaus gefunden. Laut Bundesanwaltschaft hat Amri vor der Terror-Fahrt auf ihn geschossen. Eine dritte Person sei nicht in der Fahrerkabine gewesen.

Über die Waffe: Im Lkw-Führerhaus wird eine Schusswaffe, Kaliber 22, abgefeuert. Auch nach Amris Schusswechsel mit den Polizisten in Italien wird ein Projektil Kaliber 22 gefunden. Laut Bundesanwaltschaft stammen die Projektile von derselben Waffe.

Über die Opfer: Zehn der Todesopfer hatten ihren Wohnsitz in Deutschland. Drei davon waren Ausländer. Getötet wurden zudem eine Israelin und der polnische Lkw-Fahrer.

Über die Flucht: Direkt nach der Flucht wird am Bahnhof Zoo ein Mann gefilmt, den die Bundesanwaltschaft für Amri hält. Er zeigt in die Kamera den ausgestreckten Zeigefinger - ein Zeichen, das von IS-Anhängern genutzt wird. Danach reist er über die Niederlande, Belgien und Frankreich nach Italien. Überwachungskameras filmen ihn am 21. Dezember in Nimwegen und Amsterdam in den Niederlanden. Am späten Nachmittag fuhr er laut niederländischer Staatsanwaltschaft mit dem Zug direkt nach Brüssel. Später wird er in Lyon, Turin und Mailand in Bahnhöfen gefilmt.