Manchester - Die Polizei geht inzwischen eindeutig von einer Unterstützergruppe rund um den Attentäter von Manchester aus. Das sagte der Polizeichef von Manchester, Ian Hopkins, am Mittwoch. Die Ermittlungsarbeiten schreiten nach Angaben des Polizeichefs sehr gut voran. Er könne den Menschen versichern, dass die insgesamt acht Festnahmen bedeutsam seien, sagte der Chef der Polizei von Manchester, Ian Hopkins, am Donnerstag. Auch seien bei Durchsuchungen Gegenstände entdeckt worden, die für die weiteren Untersuchungen sehr wichtig seien.

Keine Kontakte nach Nordrhein-Westfalen

Der Selbstmordattentäter Salman Abedi soll sich vier Tage vor dem Anschlag in Düsseldorf aufgehalten haben. Auf dem Weg nach Manchester sei er dort umgestiegen, hielt sich nach Angaben der Düsseldorfer Polizei aber nur im Transit- und Sicherheitsbereich des Flughafens auf. Erkenntnisse über Kontakte nach Nordrhein-Westfalen gebe es nicht.

Opfer identifiziert

Alle 22 Todesopfer des Attentats von Manchester sind nach Polizeiangaben identifiziert. Nach Erkenntnissen der Bundesregierung sind keine Deutschen verletzt oder getötet worden. Man habe „hier und jetzt keinerlei Kenntnis“ von Toten oder Verletzten aus Deutschland, es gebe auch keine Vermisstenmeldungen, sagt ein Sprecher des Auswertigen Amts. Daher glaube er, „mit relativer Sicherheit Entwarnung geben zu können“. Zu 100 Prozent ausschließen könne er es aber noch nicht.

Festnahmen am Mittwoch

Nach der Terrorattacke waren am Mittwoch drei Männer in der nordenglischen Stadt festgenommen worden. Hinzukamen zehn weitere Festnahmen in Großbritannien und Lybien. Das teilte die Polizei mit.

Attentäter war Geheimdiensten bekannt

Der mutmaßliche Attentäter war dem Geheimdienst bekannt. Das berichtete die britische Innenministerin Amber Rudd am Mittwoch dem Nachrichtensender Sky News. „Ich bin sicher, dass wir in den nächsten Tagen und Wochen mehr Informationen über ihn bekommen werden“, sagte die Innenministerin.

Nach Medienberichten war der 22-jährige Salman Abedi erst kurz vor dem Terroranschlag zu Besuch in Libyen. Dort soll ein Teil seiner Familie leben. Nach Angaben des französischen Innenministers Gérard Collomb ist Salman Abedi wahrscheinlich auch in Syrien gewesen. In beiden Ländern ist die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) aktiv, die den Anschlag für sich reklamierte. Regelmäßig suchte Abedi nach Medienberichten eine Moschee auf, in der sein Vater, ein angesehenes Mitglied der muslimischen Gemeinde von Manchester, öfter den Gebetsruf verrichtete. Seinem Umfeld gegenüber blieb Abedi offensichtlich unscheinbar. Er wurde als „stiller Junge“ beschrieben.

Der Brite sei libyscher Herkunft, aber in Großbritannien geboren und aufgewachsen und habe sich „plötzlich nach einer Reise nach Libyen und dann wahrscheinlich nach Syrien radikalisiert und hat entschieden, diesen Anschlag zu begehen“, sagte Collomb am Mittwoch dem Sender BFMTV.  

22 Menschen starben beim Anschlag 

Bei der blutigsten Terrorattacke in Großbritannien seit fast zwölf Jahren starben 22 Menschen und der Attentäter. 64 weitere wurden verletzt, viele davon schwer. Der Anschlag in Manchester traf vor allem Kinder und Jugendliche. Mehrere Besucher des Popkonzerts von Teenie-Star Ariana Grande, an dessen Ende ein mutmaßlich islamistischer Selbstmordattentäter am späten Montagabend eine Bombe gezündet hatte, wurden am Dienstag noch vermisst.

Die Regierung in London hob die Terrorwarnstufe im Land von „ernst“ auf das höchste Niveau „kritisch“ an - was bedeuten kann, dass eine weitere Attacke befürchtet wird.

IS reklamiert Anschlag für sich

Am Dienstagabend nannte die Polizei den 22-jährigen Salman Abedi als Hauptverdächtigen. Berichten zufolge ist er in Manchester geboren und aufgewachsen. Die Terrormiliz IS behauptete, für den Anschlag verantwortlich zu sein. Premierministerin Theresa May sagte, das Militär werde die bewaffnete Polizei unterstützen.

Zu dem mutmaßlichen Attentäter gab Ermittler Ian Hopkins vorerst keine weiteren Details bekannt. Nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur PA kam der Hinweis auf den Mann aus den USA. Die Zeitung „Telegraph“ berichtete, Abedi sei 1994 in Manchester geboren worden. Seine Eltern, die noch zwei Söhne und eine Tochter haben, sollen Flüchtlinge aus Libyen sein. (dpa)