Anti-Terror-Einsatz in Chemnitz: Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld könnten mögliches Ziel sein

Berlin - Den Kofferraum mussten alle öffnen. Jedes Fahrzeug, ob Pkw, Bus oder Taxi, das am Sonntag zum Flughafen Schönefeld fuhr, wurde von Polizisten kontrolliert. Die Fahrer mussten aussteigen und den Kofferraum öffnen, damit die Uniformierten sehen konnten, ob sich darin der gesuchte 22-jährige syrische Verdächtige aus Chemnitz versteckt haben könnte.

Die Polizei hatte Hinweise bekommen, dass der Verdächtige die Berliner Flughäfen in Schönefeld und Tegel als mögliches Ziel ausgesucht haben könnte. Lange Autoschlangen bildeten sich in der Zufahrt zum Flughafen Schönefeld.

Einsatzkräfte der Spezialeinheit GSG 9 der Bundespolizei führten Mann ab

In Tegel wiederum wurden keine Fahrzeuge kontrolliert. Eine Erklärung der Bundespolizei gab es am Sonntag nicht. Doch die Nervosität des Flug- und Sicherheitspersonals, sowie auch der Passagiere, auf einen Flughafen könne womöglich ein Sprengstoffanschlag verübt werden, hatte spürbare Folgen: Am Sonntagmorgen meinte ein Passagier, den gesuchten Syrier in einer Eurowings-Maschine, die nach Düsseldorf starten sollte, erkannt zu haben.

Der Flugkapitän entschied daraufhin, den Passagier vom Transport auszuschließen. Der verdächtigte Mann musste das Flugzeug verlassen. Einsatzkräfte der Spezialeinheit GSG 9 der Bundespolizei führten den Mann ab. Das Flugzeug wurde anschließend geräumt und das Gepäck der Passagiere nochmals überprüft.

Der zu Unrecht Verdächtigte sah es gelassen. Solche Situationen kenne er auch aus Zügen und Flugzeugen, sagte er später. Er stamme aus Serbien und erfülle äußerlich alle Klischees eines Syrers. Die Polizei verteidigte ihr Vorgehen: Übertriebene Vorsicht sei immer besser als Arglosigkeit, so ein Ermittler der Bundespolizei.

Am Flughafen Schönefeld reagierten Autofahrer gelassen auf die Kontrollen. Ein Taxifahrer sagte, er denke zwar, dass die Kontrollen nicht viel bringen würden, denn Sprengstoff könne wohl jeder auf normalem Wege im Koffer zum Flughafen transportieren, dennoch verstehe er die Kontrollen der Polizei. „Die Sicherheit geht eben über alles“, sagte er.

Busse durften nicht direkt vor dem Flughafengebäude halten

Polizisten schauten am Sonntag auch genauer als sonst auf die vielen Fluggäste, die mit Bussen und Bahnen nach Schönefeld kamen. Mehrere Beamte in Uniform musterten am Ende des überdachten Ganges zum Terminal jeden Fluggast. An einem Einsatzfahrzeug reichten Polizisten das Fahndungsfoto eines jungen Mannes unter sich weiter. War es ein neues Bild des Gesuchten?

Aus Sicherheitsgründen hatte die Polizei auch den Busverkehr eingeschränkt. Busse durften nicht direkt vor dem Flughafengebäude halten, sondern auf einem weiter abgelegenen Halteplatz. Service-Mitarbeiter erklärten den Angereisten die besondere Lage.

Entspannte Atmosphäre

Die Stimmung unter den Fluggästen war trotz der erhöhten Gefahrenlage entspannt und friedlich. Was sicher auch daran lag, dass nur übliche Einsatzfahrzeuge vor dem Gebäude standen und nur einige Polizisten Maschinenpistolen trugen. In Schönefeld soll der verstärkte Polizei-Einsatz bis mindestens Montagmorgen dauern.

Neben den beiden Flughäfen hatte die Bundespolizei auch an den Fernbahnhöfen der Region mehr Beamte als sonst im Dienst. „Es gibt einen verstärkten Schutz der Infrastruktur“, sagte Ivo Priebe, Sprecher der Bundespolizei. Auch die Berliner Polizei habe „zusätzliche Einsatzkräfte aktiviert“, sagte eine Sprecherin. Am Berliner Hauptbahnhof war davon am Sonntagnachmittag allerdings nichts zu sehen. An den Zugängen zum Bahngebäude standen keine Polizisten.

Erfahrungsgemäß gehört zu den Sicherheitsvorkehrungen auch der verstärkte Schutz gefährdeter Botschaften sowie der Einsatz zusätzlicher Streifen an sicherheitsrelevanten Orten. Das sind etwa Gebäude und öffentliche Plätze, an denen sich viele Leute aufhalten.

Am Sonntag trafen sich Fachleute der Polizei, des Verfassungs- und des Staatsschutzes, um die aktuelle Lage zu erörtern. Dabei wurden Erkenntnisse der bundesweiten Sicherheitsbehörden sowie befreundeter internationaler Geheimdienste analysiert.