Berlin - Wie erst jetzt bekannt wurde, kam es in der Neujahrsnacht in Berlin zu einem gewalttätigen antisemitischen Übergriff. Gegen 2.30 Uhr stieg ein 26-Jähriger am Bahnhof Hallesches Tor in Kreuzberg in einen Zug der U-Bahnlinie 6. Im Waggon bemerkte er sieben junge Männer, die „volksverhetzende Gesänge“ anstimmten. So meldete es die Polizei zwar bereits am Sonnabend. Am Montag bestätigte ein Polizeisprecher jedoch auf Anfrage, dass die Männer Parolen wie „Fuck Israel“ und „Fuck Juden“ von sich gaben und dass es sich bei dem 26-Jährigen um einen israelischen Staatsbürger jüdischen Glaubens handelt.

Laut Polizeimeldung filmte der Mann die Gruppe und forderte sie auf, dies zu unterlassen. Doch stattdessen hätten „die Widersacher“ (O-Ton Polizei) ihn bespuckt, wie es weiter heißt. Am Bahnhof Friedrichstraße in Mitte stiegen die Täter und der Israeli aus. Die Gruppe forderte den 26-Jährigen auf, die Aufnahme auf seinem Handy zu löschen. Da er sich weigerte, bespuckten sie ihn erneut und schlugen und traten ihn. Der Mann erlitt Prellungen und eine Kopfplatzwunde.

Erst als BVG-Sicherheitsmitarbeiter einschritten, flohen die Schläger. Der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt Berlin übernahm die Ermittlungen. Er ist für die Aufklärung politisch motivierter Straftaten zuständig. Laut Personenbeschreibungen durch das Opfer und von Zeugen sollen die Täter türkisch- oder arabischstämmig gewesen sein.

Hakenkreuz im Autolack von Gemeindemitglied

Ein weiterer Vorfall ereignete sich ebenfalls am Wochenende: Eine 33-jährige Frau aus Charlottenburg entdeckte am Sonnabend, dass ihr Auto beschädigt war. In die Motorhaube ihres Audi, der in der Uhlandstraße stand, hatte jemand ein Hakenkreuz geritzt. Wie die Polizei auf Nachfrage bestätigte, ist die 33-Jährige ein aktives Mitglied der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.
Auch in diesem Fall ermittelt der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt.

Einen ähnlichen Fall hatte es im September in Charlottenburg gegeben. Dort war eine jüdische Familie wiederholt Opfer antisemitischer Attacken geworden. So war in den Lack der Kühlerhaube des 40-jährigen Familienvaters ein großes Hakenkreuz eingeritzt worden. Zuvor hatten Jugendliche und Kinder mit türkischem und arabischem Migrationshintergrund den Kindern der jüdischen Familie auf der Straße nachgestellt und mit Steinen beworfen.

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