Berlin/Wien - Der österreichische Goldegg Verlag, der die Bücher des früheren Mainzer Mikrobiologie-Professors Sucharit Bhakdi herausgegeben hat, beendet laut einer Mitteilung des Verlags die Zusammenarbeit mit einem der bekanntesten Kritiker der Corona-Maßnahmen. Der Grund sind antisemitische Aussagen Bhakdis in einem Internet-Video. Darin hatte Bhakdi unter anderem gesagt, er sei früher ein großer Bewunderer jüdischer Künstler und Musiker gewesen. Das habe sich aber geändert. Bhakdi sagte, „das Volk“, das aus Deutschland geflüchtet sei, „aus diesem Land, wo das Erzböse war“, hätten Israel „in etwas verwandelt, was noch schlimmer ist, als Deutschland war“. Bhakdi weiter: „Das ist das Schlimme an den Juden: Sie lernen gut. Es gibt kein Volk, das besser lernt als sie. Aber sie haben das Böse jetzt gelernt – und umgesetzt“. Deshalb sei Israel jetzt „living hell“ – die lebende Hölle.

Es besteht unter Gesichtspunkten der Antisemitismusforschung kein Zweifel, dass diese Aussagen mehrere antisemitische Klischees bedienen. Ob sie auch den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllen, wird von den Gerichten zu klären sein. Der Antisemitismus-Beauftragte der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Sigmount Königsberg, hat jedenfalls Strafanzeige gegen Bhakdi gestellt.

Der Goldegg Verlag, in dem Bhakdi unter anderem die Bücher „Corona Fehlalarm?“, „Corona unmasked“ und „Schreckgespenst Infektionen“ veröffentlicht hat, zeigt sich entsetzt über die Aussagen von Bhakdi. Der Verlag teilt mit: „Die aktuellen Aussagen von Prof. Bhakdi können wir nicht nur nicht nachvollziehen, sie stehen außerhalb unseres Verständnisses. Im Verlag sind wir tief betroffen und distanzieren uns vehement von derartigem Gedankengut.“ Man habe Bhakdi bisher „nicht als Menschen kennengelernt, der sich jemals in dieser Weise geäußert hat“. Der Verlag habe den Mediziner um eine Stellungnahme gebeten, die allerdings noch nicht eingetroffen sei. Von einer weiteren Zusammenarbeit mit Bhakdi nehme Goldegg Abstand. Es würden keine neuen Projekte mehr mit Bhakdi umgesetzt.

Der Verlag verzichtet demnach auch auf den Nachdruck der sehr erfolgreichen Bücher von Bhakdi. Der Verlag: „Wir distanzieren uns sowohl als Verlag als auch als Menschen klar von rechtem Gedankengut und Antisemitismus. Der Goldegg Verlag steht für bewusste Inhalte und will mit seinen Büchern ein breites Meinungsspektrum abbilden und zum gesellschaftlichen Diskurs beitragen.“