Der chinesische Menschenrechtsanwalt Wang Quanzhang.
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PekingDer chinesische Menschenrechtsanwalt Wang Quanzhang kämpft seit seiner Haftentlassung Anfang April um ein Wiedersehen mit seiner Frau und seinem Sohn: „Dieses Mal nehmen sie die Epidemie als Vorwand, um meine Bewegungsfreiheit einzuschränken“, sagt er im Interview mit der Nachrichtenagentur AFP. „Ich werde kämpfen, das ist sicher. Ich kann das nicht akzeptieren“, versichert Wang in dem Videotelefonat. „Es steht außer Frage, dass ich meine Familie wiedersehe.“

Wang saß viereinhalb Jahre wegen „Untergrabung der Staatsgewalt“ im Gefängnis. Nach seiner Entlassung wurde er trotz fünf negativer Tests auf das neuartige Coronavirus für eine 14-tägige Quarantäne in seine Geburtsstadt Jinan in der Provinz Shandong gebracht. Doch obwohl diese bereits vor mehreren Tagen endete, darf er weiterhin nicht nach Peking, um dort seine Frau und seinen siebenjährigen Sohn wiederzusehen.

Wang ist sichtlich gealtert und müde, wiederholt muss er während des Interviews husten. Über seine Haftbedingungen will er nicht sprechen, auch nicht über die Foltervorwürfe, die von einigen seiner Unterstützer im Ausland geäußert wurden.

„Meine Meinungsfreiheit hat Grenzen“, stellt er fest. „Viele Leute stellen mir die Frage, aber ich möchte nicht wirklich antworten. Ich habe Angst.“ Am Montag bekam er sein Handy zurück, seine Gespräche werden aber abgehört.

Wang war im Jahr 2015 im Zuge einer Polizeiaktion gegen rund 200 Menschenrechtsaktivisten und -anwälte festgenommen worden. Er hatte politische Aktivisten und die Opfer von Landenteignungen vertreten. Erst im Januar 2019 wurde er verurteilt. Seine Frau Li Wenzu wurde zu einer prominenten Kämpferin für seine Freilassung. Unter anderem traf sie Bundeskanzlerin Angela Merkel, als diese 2018 China besuchte. Zudem rasierte sich Li aus Protest ihre Haare ab.

Er sei „sehr dankbar“ für die internationale Unterstützung, die sein Fall erfahren habe, sagt Wang. Er sei aber nicht sicher, ob dies die Entscheidung der Behörden beeinflusst habe. „Sie hat meiner Frau und Familie viel Trost gespendet und Mut gemacht in diesen langen und schweren Jahren“, versichert er. „Ohne ihre Unterstützung hätte sie es schwer ausgehalten, denke ich.“ Ihm selbst habe die Unterstützung „vermutlich erlaubt, sicherer und gesünder zu sein.“

Dennoch sei seine Gesundheit angeschlagen. „Ich kann keine kurze Strecke laufen, ohne zu keuchen“, sagt Wang, der unter Bluthochdruck leidet.

Wang war der letzte der damals festgenommenen Anwälte, der wieder auf freien Fuß kam. Für fünf Jahre wurden ihm seine politischen Rechte aberkannt - darunter Versammlungsfreiheit und das Recht auf Veröffentlichungen. „Die politischen Rechte aberkannt zu bekommen heißt nicht, dass auch deine Menschenrechte und Freiheiten beschränkt werden“, sagt er.

Nach Angaben seiner Frau durfte Wang am Montag seinen Anwaltskollegen Xie Yang sowie am Dienstag seine Schwester empfangen. Sie selbst hat jedoch Angst, dass sie mit ihrem Mann isoliert werden würde, sollte sie zu ihm nach Jinan reisen.

In der vergangenen Woche hatte das US-Außenministerium China aufgefordert, die Reisebeschränkungen gegen Wang aufzuheben und ihn zu seiner Frau und seinem Sohn nach Peking zurückkehren zu lassen. Peking wies den US-Appell als Einmischung in seine internen Angelegenheiten und in die Souveränität der chinesischen Justiz zurück.