Die Klimaaktivistinnen Vanessa Nakate, Luisa Neubauer, Greta Thunberg, Isabelle Axelsson und Loukina Tille (von links) in Davos. 
Foto: AP über dpa

Kampala"Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich die Definition des Wortes 'Rassismus' verstanden habe", sagt die ugandische Klimaaktivistin Vanessa Nakate in einem Video, das sie am Freitag auf Twitter postete. 

Direkt nach der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos, an dem sie teilgenommen hatte. Nakate ist auf dem oben veröffentlichten Foto von Associated Press (AP) links zu sehen. Aber in der Form, in der die US-amerikanische Nachrichtenagentur dieses Pressebild zunächst aktuell in alle Welt versendet hatte, fehlte die 23-Jährige, die seit einem Jahr vor dem ugandischen Parlament Klimastreiks veranstaltet. Nur ihre weißen Kolleginnen waren auf dem Foto aus Davos zu sehen: die Deutsche Luisa Neubauer, die Schwedinnen Greta Thunberg und Isabelle Axelsson und die Schweizerin Loukina Tille. Der  britische Guardian zitiert den Bildchef von AP David Ake mit den Worten, dass der Fotograf unter Termindruck gestanden und Nakate aus Gründen der Bildkomposition herausgeschnitten habe: ohne die Gebäudeecke hinter ihr habe das Bild einfach besser ausgesehen.

Greta wäre das nicht passiert

Was glaubhaft ist. Es ist nicht anzunehmen, dass sich der Fotograf ausdrücklich gedacht hat, dass vier weiße Frauen besser aussehen als vier weiße und eine schwarze. Tatsächlich wäre es denkbar gewesen, dass, wenn Tille statt Nakate vor dem Gebäude gestanden hätte, Tille herausgeschnitten worden wäre. Nur Greta wäre das nicht passiert. Aber sie stand ja auch in der Mitte. Beziehungsweise wurde in der Mitte platziert. "Wenn jetzt alle sagen, ich selbst hätte mich in die Mitte stellen sollen, ist das falsch", heißt es in einem Twitter-Post von Vanessa Nakate vom Sonnabend. "Muss sich eine afrikanische Aktivistin aus Angst, aus dem Foto herausgeschnitten zu werden, in die Mitte stellen? So sollte das nicht sein!"

Das Problem ist aber, dass es dem Fotografen offenbar nicht negativ aufgefallen war, dass da plötzlich nur noch noch vier weiße Frauen auf dem Bild waren. Auch dem Fotochef von AP nicht. Und auch sonst niemandem. Niemand hat sich gefragt: Komisch, geht es nicht irgendwie um Afrika bei diesem Thema? Und war da nicht auch diese ugandische Kimaaktivistin dabei? Sollten wir die nicht unbedingt zeigen? Das hat niemand gefragt, weil es das übliche Bild ist, dass nur weiße Menschen die Probleme dieser Welt besprechen. Nur Vanessa Nakate selbst fiel es natürlich sofort auf, dass sie auf dem Foto fehlte und für die Welt und die Geschichtsschreibung nicht dabeigewesen war.

Es ist nicht das Wichtigste, so zu tun, als gäbe es Rassismus nicht

In dem Video kämpft sie mit den Tränen und dem Schmerz, im reinsten Sinne des Wortes nicht ins Bild zu passsen. AP-Chefredakteurin Sally Buzbee entschuldigte sich später und erklärte, die Nachrichtenagentur werde daraus lernen. Das unbearbeitete Bild wurde dann auch noch hinterhergeschickt, mit allen fünf Aktivistinnen darauf. Ja, lernen tut Not, nicht nur in dieser Nachrichtenagentur, die vermutlich ohne rassistische Absicht doch eindeutig rassistisch gehandelt hat. Und besser wäre es, nicht nur auf das innere Post-it zu schreiben: Nie wieder Vanessa Nakate aus Bildern herausschneiden!, sondern sich zu fragen, wen und was man denn vielleicht noch alles übersieht, weil es üblich ist, dass es oder er oder sie nicht dabei ist.  

Vanessa Nakate im Interview während der Klimakonferenz im Dezember in Spanien. 

Quelle: YouTube

Dass Rassismus verurteilt werden muss, heißt nicht, dass es das Wichtigste ist, so zu tun, als gäbe es ihn nicht. Im Gegenteil sollte man eine Übergangszeit lang in Betrieben und öffentlichen Ämtern vielleicht Pluspunkte dafür bekommen, bei sich selbst oder anderen rassistische Muster aufzuspüren. Und am allerwichtigsten wäre es, dazu vor allem jene zu Wort kommen zu lassen, die immer wieder von Rassismus betroffen sind. Denn sie bestimmen, was Rassismus ist, nicht diejenigen, die ihn verüben. Aber das geht jetzt ins Allgemeine; zurück zu Vanessa Nakate, die viel Zuspruch bekommen hat und inzwischen hoffentlich etwas getröstet sein wird. Aber der Stachel in ihrem Herzen ist gesetzt. Er möge sie nicht davon abhalten, weiter für ihr Land, ihren Kontinent und all jene zu agieren, die ein Klima brauchen, in dem es sich leben lässt.