BerlinArabischer Frühling – ein leuchtend schöner Begriff. Als vor zehn Jahren in Tunesien die Menschen auf die Straße gingen, ahnten sie nicht, dass sie eine Bewegung auslösten, der Träumer bald diesen Namen gaben. Sie hatten keine Träume im Kopf, aber Wut im Bauch - über ihre soziale Not und die Gnadenlosigkeit der Herrschenden. Am 17. Dezember 2010 hatte sich der Gemüsehändler Mohamed Bouazizi selbst verbrannt, nachdem ihm Behörden durch unablässige Schikanen die Lebensgrundlage entzogen hatten. Die Empörung darüber fegte Dauerpräsident Ben Ali aus dem Amt.

Der Funke sprang auf andere arabische Länder über, von Januar 2011 an brachen Proteste aus, wohin man schaute: Algerien, Irak, Syrien, Libyen, Jemen, Bahrein… Es ging um Grundnahrungsmittelpreise, Korruption, Gewaltherrschaft. Neben die sozialen Fragen schoben sich Großkonflikte: Schiiten erhoben sich im Irak und Bahrein gegen die dominante sunnitische Minderheit. Regimes wankten und stürzten, Chaos-Kräfte stießen in politisches Vakuum. Über Jemen und bald auch Libyen fielen Stammesmilizen her. Seit dem Ende der Kolonialzeit war es mit autoritären Strukturen stets gelungen, die Spannungen einzudämmen. Nun brach sich das Chaos Bahn.

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