Berlin - Aus Protest gegen die Armenier-Entschließung des Bundestages ruft die Türkei ihren Botschafter aus Berlin zurück. Dies gab die Regierung in Ankara am Donnerstag bekannt. Botschafter Hüsein Avni Karslioglu werde noch am Donnerstagnachmittag ins Flugzeug nach Ankara besteigen, meldete die regierungsnahe Zeitung „Yeni Safak“ auf ihrer Internetseite.

Zudem hat die türkische Regierung den Geschäftsträger der deutschen Botschaft in Ankara ins türkische Außenamt zitiert. Das Gespräch sei für den Nachmittag geplant, hieß es am Donnerstag in diplomatischen Kreisen. Der deutsche Botschafter Martin Erdmann hält sich diesen Angaben zufolge derzeit nicht in der türkischen Hauptstadt auf.

Nur eine Gegenstimme

Heftiger Kritik aus der Türkei zum Trotz hatte der Bundestag die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich am Mittag als Völkermord eingestuft. Das Parlament stellte sich am Donnerstag bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung hinter den Antrag. In der Debatte betonten mehrere Abgeordnete, es gehe ihnen nicht um eine Verurteilung, sondern um die Versöhnung zwischen Armeniern und Türken.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagte, das deutsche Parlament sei keine Historikerkommission und kein Gericht. Es wolle aber „unbequemen Fragen und Antworten nicht aus dem Weg gehen“, vor allem, wenn das damalige Deutsche Reich Mitschuld auf sich geladen habe. Das Deutsche Reich war im Ersten Weltkrieg Verbündeter des Osmanischen Reichs, jedoch verhinderte es die Tötung von bis zu 1,5 Millionen Armeniern sowie Aramäern und Angehörigen weiterer christlicher Minderheiten nicht.

Die türkische Regierung lehnt die Einstufung der Massaker als Genozid strikt ab. In der rund einstündigen Debatte hoben mehrere Redner hervor, dass es ihnen mit der Resolution nicht um eine Verurteilung der Türkei gehe. „Uns geht es nicht darum, die Türkei an den Pranger zu stellen“, sagte Unionsfraktionsvize Franz Josef Jung (CDU). Aber nur wer sich zur Vergangenheit bekenne, könne Zukunft gestalten. „Das ist keine Anklageschrift, sondern das ist eine Verneigung vor den Opfern“, sagte auch der SPD-Abgeordnete Dietmar Nietan. „Wir sitzen hier nicht zu Gericht.“

Die türkische Regierung hat die Armenier-Resolution als „null und nichtig“ bezeichnet. Das deutsche Parlament habe die Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg auf der Grundlage „verzerrter und gegenstandsloser Unterstellungen“ als Völkermord eingestuft und damit einen „historischen Fehler“ gemacht, erklärte Regierungssprecher Numan Kurtulmus am Donnerstag im Kurzbotschaftendienst Twitter. Für die türkische Regierung sei die Entscheidung daher gegenstandslos. (rtr/afp)