Berlin - Mehr als 100 Tote, 1300 Menschen, die noch vermisst werden – sowie eingestürzte Häuser, vollgelaufene Keller, beschädigte Fahrzeuge. Die Starkregen in der Mitte Deutschlands hat viel Leid und Menschen um ihre Existenzen gebracht. Ganze Landstriche sind verwüstet und die Schäden gehen in Milliardenhöhe.

Von Seiten des Bundes soll es schnelle Hilfen geben, kündigte die Regierung an. Unklar ist zurzeit noch, wie hoch der Bundeszuschuss sein wird. Derzeit laufen die Gespräche in der Regierung, am Mittwoch soll es dazu eine Kabinettssitzung geben. „Das Konzept dafür entwickelt mein Haus gerade noch mit der Bundeskanzlerin und Bundesfinanzminister Olaf Scholz", sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), der ebenso die Tage in die Krisenregion reisen wird, um sich einen eigenen Eindruck von der Lage im Katastrophengebiet im Westen Deutschland zu verschaffen.

Seehofer kündigte lediglich an, dass es ein großes Paket werde. Beim sogenannten Jahrhunderthochwasser von Elbe und Donau, das 2013 acht Bundesländer besonders betraf, hatte die Bundesregierung einen Fluthilfefonds über acht Milliarden Euro aufgelegt.

Derzeit stehe im Mittelpunkt, die katastrophale Situation vor Ort zu lösen und sich ein Bild von der Lage zu machen, sagte am Freitag Regierungssprecherin Martina Fietz.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich derzeit in den USA aufhält, am Mittwoch aber wieder die Kabinettsrunde leitet, lasse sich ständig auf dem Laufenden halten. Auch stehe sie im engen Austausch – unter anderem mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) sowie der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). 

850 Soldaten helfen vor Ort den Einsatzkräften 

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier äußerte sich bestürzt wegen der Folgen der verheerenden Überschwemmungen in vielen Teilen Deutschlands mit immer mehr Toten. „Mein tiefes Mitgefühl gilt den Verstorbenen und ihren Angehörigen“, erklärte Steinmeier.

Die Lage vor Ort ist nach wie vor kaum überschaubar. Die Bundeswehr hat inzwischen 850 Soldaten in die Krisenregion geschickt, um die Einsatzkräfte vor Ort zu unterstützen. Doch es würden bestimmt noch mehr entsandt, sagte ein Sprecher. Vor Ort sind außerdem Bundeswehr-Bergepanzer, militärische Laster, Radlader, Transporthubschrauber, Schnellboote, mobile Satellitenanlagen sowie Lautsprechersysteme, um die Bürger über die aktuelle Lage zu informieren.

Bundesumweltminister Svenja Schulze reiste am Freitag ebenso in die Krisenregion – sie machte Station in Solingen. Die SPD-Politikerin, die schon am Donnerstag sagte, der Klimawandel sei in Deutschland angekommen, forderte, den Klimawandel als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern zu vereinbaren. Um die finanzielle Vorsorge zu verbessern, müsste das eine staatliche Daueraufgabe werden. Bislang gelten bei Hochwasserkatastrophen lediglich Förderprogramme. Schulze fügte hinzu: „Wir müssen aktiv werden und mehr auf erneuerbare Energien setzen.“

NRW verspricht Direkthilfe für Betroffene

Auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), die am Freitag Trauerflaggen in ihrem Bundesland hissen ließ, dringt auf schnelle Hilfe des Bundes zur Bewältigung der Folgen der Unwetterkatastrophe. „Das Leid ist groß in unserem Bundesland. Unser Bundesland hat so etwas noch nie gesehen“, sagte sie im ZDF. Es sei klar, dass diese Katastrophe nicht allein durch das Bundesland zu stemmen sei, erst Recht nicht durch die Kommunen. „Es ist ein langer Weg, auch ein teurer Weg.“ Die SPD-Politikerin weiter: „Wer jetzt noch nicht begriffen hat, dass der Klimawandel seine Folgen hat, dem ist nicht zu helfen.“

NRW-Ministerpräsident und CDU-Kanzlerkandidat, Armin Laschet, sagte am Freitag nach einer Krisensitzung des Landes-Kabinetts: „Die Situation ist weiter dramatisch.“ 23 Städte und Ladkreise seien von den Überschwemmungen betroffen. Er fügte hinzu: „Unser Land erlebt eine Flutkatastrophe von historischem Ausmaß.“ Es sei zu befürchten, dass die Zahl der Toten steige, allein in NRW haben derzeit mindestens 43 Menschen ihr Leben verloren. Jetzt sei es wichtig, die Grundversorgung in der Krisenregion sicherzustellen, sagte Laschet. Außerdem müssten schnell finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden – dazu gehört eine Direkthilfe für Betroffene, die das Land unterstütze.  Aber auch eine Hilfe für Härtefälle sowie den Wideraufbau der betroffenen Landstriche. Der Bund und das Land werde zügig handeln, versicherte Laschet. Außerdem gelte es jetzt, Deutschland klimasicher zu machen.