Donald Trump bei der Arbeit im Krankenhaus. Das Foto wurde offiziell vom Weißen Haus veröffentlicht.
Foto: Joyce N. Boghosian/The White House

New YorkNach seiner Coronavirus-Infektion könnte US-Präsident Donald Trump nach Angaben von Ärzten womöglich schon bald aus dem Krankenhaus entlassen werden. Der Arzt Brian Garibaldi sagte vor dem Walter-Reed-Krankenhaus in Bethesda bei Washington, sollte es Trump weiter so gut gehen wie am Sonntag, hoffe man, ihn womöglich bereits an diesem Montag entlassen zu können. Die Behandlung könnte dann im Weißen Haus fortgesetzt werden.

Trumps Leibarzt Sean Conley hatte unmittelbar zuvor gesagt, Trumps Gesundheitszustand habe sich weiter verbessert. Wie bei jeder Krankheit gebe es aber Höhen und Tiefen. Trump (74) war am Freitagabend nach seiner Infektion mit dem Coronavirus in das Krankenhaus gebracht worden. Am Samstagabend hatte Conley erklärt, die Ärzte seien vorsichtig optimistisch. Trump sei aber noch nicht über den Berg.

Am Sonnabend wirkte Donald Trump aufgeräumt, als er sich aus einem Konferenzraum des nationalen Militärhospitals „Walter Reed“ an die amerikanische Öffentlichkeit wandte. Trump trug ein blaues Sakko über offenem Hemdkragen und plauderte, wie gewohnt, von seinen angeblich fantastischen Umfragewerten und von seiner wichtigen Mission, Amerika wieder zu alter Größe zurückzuführen.

Der Videoschalte vorangegangen waren allerdings 24 Stunden Chaos und Verwirrung. Nachdem Trump sich am Freitag wegen seiner Covid-Diagnose in das Krankenhaus hatte einliefern lassen, suchten seine Ärzte in einer Pressekonferenz am Sonnabendvormittag das Land zu beruhigen. Trump leide unter einem leichten Husten und unter Müdigkeit, ließ Sean Conley, Trumps Leibarzt, wissen. Doch man sei mit seinen Fortschritten überaus zufrieden.

Doch kurze Zeit später widersprach der Stabschef des Weißen Hauses, Mark Meadows, bei einem informellen Treffen mit Reportern Conley dramatisch. Trumps Symptome gäben großen Anlass zur Sorge, ließ Conley wissen. Ein klarer Weg zu einer vollen Genesung sei derzeit nicht zu erkennen.

Die widersprüchlichen Informationen befeuerten die Spekulationen darüber, wie es Trump wirklich geht. Viele Medien glauben, dass sein Zustand weitaus besorgniserregender ist, als Conley und Trump selbst das zugeben wollen.

Solche Befürchtungen werden durch die Information bestärkt, dass Trump einen Medikamentencocktail bekommt, der auf eine schwere Erkrankung hinweist. Trump bekam eine Kombination aus dem experimentellen Mittel Regeneron sowie Remdesivir, das die Replikation von Viren blockiert. Die Gabe von Regeneron, das sich erst in einer frühen Testphase befindet, macht Experten stutzig. „Ich lese daraus, dass es unter seinen behandelnden Ärzten ein gewisses Maß an Besorgnis gibt“, sagte Dr. Sanjay Gupta, der das Fernsehnetzwerk CNN berät.

Wie es tatsächlich um den Präsidenten bestellt ist, wird man vermutlich, wie Mark Meadows sagte, in den kommenden 48 Stunden erfahren. Dann ist im Verlauf von Covid ein kritischer Punkt erreicht, an dem sich oft der Zustand der Patienten entweder dramatisch verschlechtert oder dramatisch verbessert.

Einstweilen hat Trump jedoch noch nicht vor, die Amtsgeschäfte aus der Hand zu geben. Während des Videodrehs im Krankenhaus waren auf dem Tisch vor Trump Akten ausgebreitet, die bezeugen sollten, dass er seinen Amtsgeschäften nachgeht. Von einer vorübergehenden Übergabe der Präsidentschaft an Vizepräsident Pence war bislang keine Rede.

Anders verhält es sich mit Trumps Wahlkampf, zumal sein neuer Wahlkampfmanager Bill Stepien sich ebenfalls mit Covid infiziert hat. Stepien leitet zwar weiter von zu Hause aus die Wiederwahlbemühungen, doch am Sonnabend wandte sich Pence an die Wahlkampfmitarbeiter. Die Botschaft, unterstrich Pence, habe sich nicht geändert, „Make America Great Again“ sei mehr als nur ein Slogan.

Der Einwurf von Pence konnte jedoch nicht verhindern, dass durch Trumps Erkrankung das Thema Covid und seine Reaktion darauf wieder im Zentrum des Wahlkampfs stehen. Angesichts des andauernden Rückstands auf Biden in den Umfragen hatte Trumps Kampagne in den vergangenen Wochen verzweifelt versucht, die Aufmerksamkeit auf andere Dinge zu lenken.

Einstweilen suchten die nächsten Angehörigen Trumps das Rampenlicht und betonten  Trumps Durchhaltewillen. „Er wird dieses Virus zu Brei hauen“, sagte Schwiegertochter Lara am Sonnabend. „Und dann wird er am 3. November Biden zu Brei hauen.“

In der Zwischenzeit fragt man sich, wer im Umfeld von Trump noch alles infiziert ist. Noch vor Trumps Diagnose wurde bekannt, dass seine Beraterin Hope Hicks positiv getestet wurde. Am Sonnabend wurde dann bekannt, dass seine ehemalige Pressesprecherin Kellyanne Conway ebenfalls infiziert ist. Später meldete Trumps Assistent Nick Luna, dass auch er von dem Virus befallen ist.

Zudem mehrten sich übers Wochenende die Meldungen von Infektionen bei Personen, die am vergangenen Wochenende zur Nominierung der Richterin Amy Coney Barrett für das Verfassungsgericht ins Weiße Haus geladen waren. Unter den Infizierten befinden sich unter anderem drei republikanische Senatoren. Sollten sie erkranken, würde sich die Ratifizierung von Barrett im Kongress verzögern, die Trump unbedingt noch vor der Wahl durchdrücken möchte.