Raj ist ein 39-jähriger Bollywood-Produzent und sucht ein "heißes Date" - so "Kim-Kardashian-mäßig". Sein Dialekt, seine bunt-glitzernde Satin-Kleidung und der Bauchtanz, den er in dem Bewerbungsvideo eines Dating-Portals hinlegt, könnten klischeebehafteter nicht sein. Kein Wunder, es ist ja auch eine Parodie für einen Werbespot: Der Snackhersteller "Popchips" hatte das fingierte Dating-Video als Teil einer ganzen Reihe von Internet-Werbespotss veröffentlicht, in der Kutcher jeweils verschiedene Rollen spielt.

So ist der TV-Star ("Two and a Half Men") in der Kampagne unter anderem auch als tiefenentspannter Rastafari zu sehen, der ohne hinzusehen feststellen kann, wessen Bauchnabel nach außen oder innen zeigt oder als säuselnder Karl-Lagerfeld-Verschnitt mit Handtaschen-Hündchen.

Alles nicht so schlimm - wäre da nicht "Raj".

"Brownface Controversy": Weiße mit braunem Make-Up

Für seine stereotype Darstellung des Inders wird Kutcher im Internet mit Rassismusvorwürfen und Schimpftiraden überzogen. Dass es sich dabei um eine Parodie handelt, spielt keine Rolle - den Kritikern geht es ums Prinzip, sie bezeichnen die Kampagne allgemein als "beleidigend" und "ein "Fiasko". So beschwert sich unter anderem der prominente New Yorker Blogger Anil Dash auf Twitter darüber, dass Kutcher ein dunkles Make-Up trägt. Die Verwendung von "braunen Make-Up auf einem weißen Gesicht" sei ein "Schlüsselindikator dafür, dass hier was schief läuft", schreibt Dash. "Brownface Controversy" heißt das dazugehörige Stichwort - für Dash und weitere Promis ein Anlass, zum Boykott der Kampagne aufzurufen.

PopChips reagiert auf Kritik

Einige Blogger veröffentlichen im Internet die Telefonnummer und Emailadresse des Chipsherstellers, damit alle ihre Wut gleich direkt bei dem Unternehmen abladen können.

Auch bei uns gab es bereits ähnliche Debatten: Am Deutschen Theater war im Februar eine Streit darüber entbrannt, ob schwarz geschminkte weiße Darsteller auf der Bühne schon Rassismus bedeuten oder ob eine solche Inszenierung unter Kunstfreiheit fällt.

Am Ende wurde der Druck aus dem Netz dem Chipshersteller zuviel: Auf seinem Blog bezog Popchips zu den Vorwürfen Stellung. "Unser Team hat hart daran gearbeitet, eine unbeschwerte Parodie mit einer Vielzahl von Charakteren zu schaffen. Wir entschuldigen uns bei allen, die wir dadurch verletzt haben." schreibt "Pop Chips"-Geschäftsführer Keith Belling. Pop Chips hat den umstrittenen Einzelspot mit Raj jedenfalls gelöscht. Die Debatte selbst wird das aber noch lange nicht beenden.

Ashton Kutcher, der gerade erst einen Vertrag für eine zweite Staffel der Sitcom "Two and a Half Men" unterschrieben hat, hat sich vorerst zu den Vorwürfen nicht selbst zu Wort gemeldet.