Die Entscheidung der Berliner Gesundheitspolitik und zahlreicher Spitäler, die Impfung mit Astrazeneca für Personen unter 60 Jahren vorerst auszusetzen, ist richtig. Der Einsatz von Pharma-Produkten, die eine kurze Entwicklungszeit haben, muss laufend und streng kontrolliert werden. Der Stopp ist eine vertrauensbildende Maßnahme, die zeigt, dass das System funktioniert. Ärzte, Forscher und die Pharmaunternehmen müssen ohne Druck mit äußerster Gewissenhaftigkeit arbeiten können, wenn sie neue Produkte für Patienten einführen. Natürlich ist die Ungeduld aller zu verstehen, die sich ein Ende der Pandemie wünschen. Doch gibt es in Deutschland – wie in ganz Europa – auch rechtsstaatliche Normen, die gesellschaftliche Veränderungen strukturieren.

Dazu gehört unter anderem das sogenannte Gesetz über die Werbung auf dem Gebiete des Heilwesens (Heilmittelwerbegesetz, HWG). Dieses Gesetz regelt in seinem Paragrafen 2 ganz klar, dass Werbung für Heilmittel, zu denen Impfstoffe gehören, nur in sehr eingegrenztem Rahmen erlaubt ist. In Paragraf 4 ist festgehalten, dass bestimmte Angaben zwingend bei jeder Werbung anzuführen sind: Dazu gehören auch die Gegenanzeigen, die Nebenwirkungen und andere Warnhinweise. Wer dagegen verstößt, ist laut Gesetz mit einem Ordnungsgeld zu bestrafen.

Erstmals war in den USA Donald Trump als hemmungsloser Verkäufer von Covid-Impfstoffen und Medikamenten unangenehm aufgefallen. Seine Presseauftritte glichen einer „Dauerwerbesendung“. Auch in Deutschland gibt es Politiker, Experten und Journalisten, die in Talkshows, Artikeln oder öffentlichen Reden unablässig Impfstoffe anpreisen. Hier ist Zurückhaltung dringend geboten. Diejenigen, die sich zu einem konkreten Impfstoff äußern sollen, sind die Ärzte beim Beratungsgespräch mit der Patientin vor der Impfung. Auf ihre Expertise und ihre ärztliche Fürsorgepflicht können alle vertrauen. Die Öffentlichkeit ist in der Pflicht, jedweden kommerziellen Druck auf das medizinische Personal zu unterlassen.