Berlin - Deutschland debattiert über die Aufnahme von Flüchtlingen. Diese Diskussion gibt es nicht zum ersten Mal, wie ein Blick in die Geschichte zeigt. Bis weit in die 1970er hinein spielten Asylbewerber in der Bundesrepublik kaum eine Rolle. Die wenigen, die kamen – meist deutlich unter 10 000 im Jahr – stammten vornehmlich aus Osteuropa.

Erst 1980 gab es mit knapp 108 000 Anträgen eine kleine Spitze, als Deutschland erstmals auch vermehrt Asiaten und Afrikaner erreichten. Mehr als ein Drittel der insgesamt gut 3,7 Millionen Asylbewerber, die seit Beginn der Erfassung 1953 ihren Erstantrag gestellt haben, taten dies jedoch in der Zeit nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Staaten. Anfang der 1990er Jahre kamen sie vor allem aus Jugoslawien und Rumänien. 1992 erreichte die Zahl der Asylanträge den bisherigen Rekordwert von 438191.

Asylkompromiss 1993

1993 einigten sich Union und SPD auf den Asylkompromiss, der das Grundrecht auf Asyl massiv einschränkte. Binnen zweier Jahre sanken danach die Antragszahlen auf weniger als ein Drittel und nahmen anschließend über ein Jahrzehnt lang weiter stetig ab, weil immer weniger Europäer um Asyl baten. Im Gegenzug gewann Asien, insbesondere der Nahe und Mittlere Osten, an Bedeutung. In den späten 2000ern kam über die Hälfte der Asylbewerber von dem bevölkerungsreichsten Kontinent.

Im Ranking der häufigsten Herkunftsnationen der letzten 20 Jahre belegen Irak, Afghanistan, Syrien und Iran die Plätze zwei bis fünf. Spitzenreiter ist jedoch Jugoslawien und der Nachfolgestaat Serbien. Jeder sechste, betrachtet man den Zeitraum seit 1991 sogar jeder fünfte, Asylbewerber kam von dort, binnen 24 Jahren über eine halbe Million Menschen. Dabei sind die Anerkennungschancen schlecht, nur 0,2 Prozent der serbischen Antragsteller erhielt 2014 Schutz in Deutschland. Bei Syrern waren es über 90 Prozent.

Nur jeder 25. erhält Asyl

Die Anerkennungsquote ist niedrig. In den 24 Jahren von 1991 bis 2014 entschied das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) über 3,12 Millionen Anträge. Nur 134296 Bewerber erhielten Asyl – gut jeder 25. Für die letzten zehn Jahre liegt die Zahl bei 1,3 Prozent.

Dagegen stieg der Anteil der Asylbewerber, die als Flüchtlinge gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention anerkannt wurden, auf 16,8 Prozent. Das Gros der Anträge seit 1991 (61,8 Prozent) lehnte das Bamf jedoch ab oder sie erledigten sich „formell“ (27,1 Prozent), weil gemäß Dublin-Verfahren ein anderes Land zuständig war, der Antrag zurückgezogen oder ein Folgeantrag nicht zugelassen wurde.

Nachdem die Zahl der Asylbewerber in der zweiten Hälfte der 00er Jahre auf ein Niveau wie Mitte der 1980er abgesunken war, kommen seit 2010 wieder deutlich mehr Flüchtlinge. Allein im ersten Quartal dieses Jahres stellten 75 000 Menschen einen Erstantrag. Das sind mehr als dreimal so viele wie im Gesamtjahr 2009.