Nach mehr als 16-stündigem Nervenkrieg hat die Polizei in München am späten Montagabend einen Asylbewerber aus Syrien von einem Baukran heruntergeholt. Der Mann hatte die Einreise seiner Familie nach Deutschland gefordert und anderenfalls mit einem Sprung in die Tiefe gedroht, wie ein Polizeisprecher am Dienstag mitteilte. Nach seiner Festnahme in der Krankabine wurde der 31-Jährige in eine psychiatrische Klinik gebracht.

Der Syrer war am Montagmorgen gegen 7.00 Uhr auf den Kran im Stadtteil Obersendling geklettert. Mit Hilfe eines Dolmetschers nahmen Polizei-Psychologen von einer Hebebühne aus Verhandlungen mit dem Mann auf. Dabei sagte er, er wolle seine Familie nach Deutschland holen, die sich derzeit in der ägyptischen Hauptstadt Kairo aufhält. In der Folgezeit fügte sich der Mann mehrfach mit einer Rasierklinge Verletzungen an der Brust zu.

Die Polizei stellte dem Asylbewerber schließlich ein Mobiltelefon zur Verfügung, mit dem er nach eigenen Angaben einen Rechtsanwalt anrufen wollte. Der Syrer führte zwar in der Folgezeit tatsächlich ein Telefonat, blieb aber entgegen seiner vorherigen Zusicherung auch danach weiter auf dem Kran.

Während des Nachmittags und des Abends nahm der 31-Jährige dann keinen Kontakt mehr mit den Einsatzkräften auf. In der Nacht zog er sich in die Kranführerkabine zurück, in der er gegen 23.30 Uhr von Polizisten eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) festgenommen wurde. Dabei leistete der Asylbewerber erheblichen Widerstand. Ein Beamter zog sich bei dem Einsatz eine Knieverletzung zu. (afp)