Angesichts der Spannungen zwischen Russland und dem Westen wird immer wieder die Möglichkeit diskutiert, Russland vom internationalen Banken-Zahlungssystem auszuschließen. Damit könne Russland schwer getroffen werden, analysiert etwa Harley Balzer von der Georgetown-Universität in einem Beitrag für das Atlantic Council. Russland und China hätten zwar vor einigen Jahren mit der Entwicklung eines eigenen Zahlungssystems (SPFS) begonnen, doch würde dieses erst von nur zwölf ausländischen Banken benutzt. Die Ökonomin Cynthia Roberts hatte zuvor in der New York Times argumentiert, dass Russland und China mit dem SPFS eine Alternative hätten, die unter Druck eine Ausweichmöglichkeit für Swift darstellen könnte. Für den innerrussischen Zahlungsverkehr werden bereits jetzt 20 Prozent aller Zahlungen über SPFS abgewickelt, etwa 400 russische Banken benutzen das System.

Ein Rauswurf Russlands aus dem Swift hätte jedoch vermutlich gravierende Störungen im weltweiten Finanzsystem zur Folge. Der designierte CDU-Vorsitzende Friedrich Merz warnt daher davor, Russland von  Swift auszuschließen. „Swift infrage zu stellen, das könnte die Atombombe für die Kapitalmärkte und auch für die Waren- und Dienstleistungsbeziehungen sein“, sagte der frühere Manager des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock der Deutschen Presse-Agentur: „Wir sollten Swift unangetastet lassen.“ Merz sagte: „Ich würde massive ökonomische Rückschläge auch für unsere Volkswirtschaften sehen, wenn so etwas geschieht. Es würde Russland treffen.“

Doch auch Deutschland als starke Exportnation würde sich „selbst erheblich schaden“. Er befürchte große Rückwirkungen nicht nur auf den europäisch-russischen Dienstleistungs- und Warenhandel, sondern auch auf den weltweiten Handel. Swift sei das System für die Abwicklung des internationalen Geldverkehrs für Waren und Dienstleistungen. Ein Ausschluss Moskaus „würde im Grunde genommen diesem internationalen Zahlungsverkehr das Rückgrat brechen“.

Für Swift ist die Sache sehr delikat, weil sie die Organisation bisher erfolgreich aus allen weltpolitischen Konflikten heraushalten konnte. Ein Sprecher von Swift verwies auf die Unabhängigkeit der Organisation und sagte der Berliner Zeitung: „Swift ist eine neutrale, globale genossenschaftliche Organisation, die zum Nutzen ihrer Gemeinschaft – bestehend aus mehr als 11.000 Institutionen in 200 Ländern – gegründet wurde und betrieben wird. Die Entscheidung, Sanktionen gegen Länder oder einzelne Einrichtungen zu verhängen, liegt allein bei den jeweils zuständigen Regierungsstellen und Gesetzgebern.“ (BLZ)