Die ganze Welt mahnt Korea - doch Pjöngjang denkt gar nicht ans Nachgeben. Im Gegenteil, das kommunistische Regime droht den USA mit einem Atomschlag. Und beantwortet die neuesten Sanktionen mit der Aufkündigung des Nichtangriffspakts mit Südkorea. Wenige Stunden nach der Verhängung neuer UN-Sanktionen gegen Pjöngjang zitierte die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Freitag "alle Nichtangriffs-Übereinkommen zwischen Nord- und Südkorea seien aufgehoben". Auch das Rote Telefon als ständige Verbindung zum Süden werde mit sofortiger Wirkung gekappt.

Südkorea reagiert in scharfem Ton auf die Dorhungen Nordkoreas: Das Regime von Machthaber Kim Jong Un werde zugrundegehen, sollte es Südkorea mit Atombomben angreifen, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Kim Min Seouk in Seoul.

Noch vor wenigen Tagen lachte und feierte Nordkoreas Jungdiktator Kim Jong Un noch mit dem amerikanischen Basketballstar Dennis Rodman, nun droht er den USA mit einem Atombombenangriff. Pjöngjangs Sprachrohr, die Nachrichtenagentur KCNA, meldete am Donnerstag: „Da die USA im Begriff stehen, einen Atomkrieg anzufangen, werden wir das uns zustehende Recht eines Präventivschlages gegen die Kommandozentralen der Aggressoren üben, um unsere höchsten Interessen zu schützen.“ Zwar verfügt Nordkorea derzeit weder über einsatzfähige Atomsprengköpfe noch über geeignete Trägerraketen für einen Angriff auf US-Territorium. Doch mit der scharfen Rhetorik hebt Kim den Konflikt auf eine neue Ebene.

Die Vereinten Nationen reagierten am Donnerstag mit scharfen Sanktionen gegen das kommunistische Regime. Das Gremium ließ sich dabei nicht von Drohungen Nordkoreas mit einem Atomschlag beeindrucken. Der UN-Sicherheitsrat beschloss am Donnerstag einstimmig, die schon bestehende Strafmaßnahmen durch Reiseverbote und Kontensperrungen zu verstärken.

Auch die US-Regierung gibt sich gelassen. „Die Vereinigten Staaten sind voll und ganz in der Lage, sich gegen nordkoreanische Raketendrohungen zu verteidigen“, sagten wortgleich die Sprecher von Weißem Haus und Außenministerium am Donnerstag in Washington. Ohnehin seien die Drohungen nicht neu, das Land habe bereits häufiger bewiesen, dass ihm nicht an einer Verbesserung der internationalen Beziehungen gelegen sei, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums.

Die UN-Resolution richtet sich gezielt gegen Diplomaten des Regimes. Das Papier trägt vor allem die amerikanische, aber auch die chinesische Handschrift. Peking gilt als engster Verbündeter Pjöngjangs, ist aber nach dem Atomtest vom 12. Februar etwas von seinem Partner abgerückt.

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Seoul ist besorgt

Auslöser von Kims Zorn dürfte einerseits die Abstimmung des Sicherheitsrats gewesen sein. Andererseits ist Pjöngjang verärgert über das derzeit stattfindende amerikanisch-südkoreanische Frühlingsmanöver. An der zweimonatigen Übung nehmen 200.000 südkoreanische und 10.000 amerikanische Soldaten Teil. Nordkorea antwortet auf das jährlich stattfindende Manöver mit martialischer Rhetorik. Anfang der Woche hatte Pjöngjang bereits angedroht, den seit 60 Jahren bestehenden Waffenstillstand zwischen Nord- und Südkorea aufzukündigen.

Außerdem bereitet Nordkorea derzeit eigene Truppenübungen vor. Südkoreas Verteidigungsministerium befürchtet, dass es dabei erneut zu militärischen Provokationen kommen könnte. Im November 2010 hatte Nordkorea als Reaktion auf ein Seemanöver die Insel Yeonpyeong unter Beschuss genommen. Seoul gibt Nordkorea auch die Schuld am Untergang des südkoreanischen Militärschiffs Cheonan, das 2010 von einem Torpedo getroffen wurde.

Trotz seines martialischen Gebarens ist Nordkorea den südkoreanischen und US-Streitkräften weit unterlegen. Mit der Entwicklung von Atombomben und Langstreckenraketen versucht das Regime, sein Abschreckungspotenzial zu erhöhen. Experten gehen davon aus, dass Nordkorea noch Jahre davon entfernt ist, einsatzfähige Atomwaffen zu entwickeln. Bis dahin besteht höchstens die Gefahr einer „dirty bomb“, bei der herkömmliche Granaten mit radioaktivem Material angereichert werden, um die beschossene Gegend zu verstrahlen.

Diplomaten werten Nordkoreas Provokationen als Versuch, direkte Verhandlungen mit den USA zu erzwingen. Paradiesvogel Rodman hatte nach seinem bizarren Nordkoreatrip, bei dem er sich als Kims „Freund fürs Leben“ bezeichnete, erklärt, Nordkoreas Führer warte auf einen Anruf von Barack Obama. Es ist unwahrscheinlich, dass der US-Präsident die Drohung eines atomaren Erstschlags als ein angemessene Gesprächseinladung sieht. (mit dpa)

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