Der Berliner Politologe Herfried Münkler spricht im Interview mit dem Stern von einem globalen Wettrüsten. Auch Europa müsse sich laut Münkler daran beteiligen und „atomare Fähigkeiten aufbauen“, um nicht ins Hintertreffen zu geraten.
„Wir brauchen einen gemeinsamen Koffer mit rotem Knopf, der zwischen großen EU-Ländern wandert“, sagt der Politologe dem Magazin. Und feuert damit die Fantasien um ein gemeinsames europäisches Nuklearwaffenprojekt an. Dies sei notwendig, damit man sich besser vor Kriegen schützen könne, so der renommierte Politologe im Interview.
Dabei verwies Münkler auf die einzelnen Atomprojekte der europäischen Nachbarn: „Die Briten haben zwar Atom-U-Boote, Frankreich die Bombe, aber werden sie die wirklich einsetzen, um Litauen oder Polen zu schützen?“ Laut seiner Einschätzung bezweifle das der Kreml zumindest. Und das sei potenziell gefährlich. Erst die atomare Aufrüstung könne auch kleinere Länder im europäischen Osten wirksam vor Putin schützen, so der Wissenschaftler.
Bestätigung seiner Forderung sieht Münkler am Beispiel der Ukraine: „Die Ukraine hat nach dem Budapester Memorandum ihre Atomwaffen an Russland abgetreten, für das amerikanische, britische und russische Versprechen, die Grenzen der Ukraine zu schützen.“ Dass dieser Vertrag nichts wert sei, zeige nun die Erfahrung, so Münkler. Unangreifbar sei man nur „bis an die Zähne bewaffnet“.


