Berlin - Die umstrittene Pegasus-Spionagesoftware wird von deutschen Sicherheitsbehörden offenbar breiter eingesetzt, als bisher bekannt. Neben dem Bundeskriminalamt setzt auch der Bundesnachrichtendienst (BND) die Software ein, wie jetzt Recherchen von Süddeutscher Zeitung, Zeit, NDR und WDR ergaben.

Mit der Software des israelischen Herstellers NSO Group kann die Handykommunikation einer Zielperson mitgelesen und mitgehört werden. Im Juli kam heraus, dass Pegasus von Geheimdiensten und Polizeibehörden weltweit missbraucht wird, um zum Beispiel Journalisten und Oppositionelle auszuforschen.

Bereits seit März dieses Jahres setzt das BKA eine modifizierte Variante der Software ein, wie Vize-Präsidentin Martina Link dem Innenausschuss in geheimer Sitzung bestätigte. Auf entsprechende Anfragen des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestages verweigerte die Bundesregierung jedoch bislang die Antwort. Sie verschwieg offenbar auch, dass der BND die Software längst einsetzt.

Konstantin von Notz, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen, forderte am Freitag die scheidende Bundesregierung erneut dazu auf, „ihre längst gescheiterte Abwehrposition“ aufzugeben und die weitere Aufklärung nicht länger rechtswidrig zu behindern. „Heute haben wir eine erneute Sondersitzung des zuständigen Gremiums beantragt, in der die Bundesregierung ihrer gesetzlichen Berichtspflicht sowie der Pflicht, Aufklärung und tatsächliche Kontrolle endlich und umfassend zu ermöglichen, nachkommen muss, so Notz.“

Mit Pegasus können auch die ansonsten als sicher geltenden iPhones von Appel infiziert werden. Die Software kann bereits über einen unbedachten Klick auf einen präparierten Internetlink auf das Gerät gelangen. Dann kann Pegasus fast alle persönlichen Daten auslesen. Außerdem entfernt Pegasus durch ein sogenanntes Jailbreak Sicherheitssperren. Der Nutzer bemerkt davon meistens nichts. Mit einem Update kann man diese Sicherheitslücke schließen.