MUTTER: Klima ist ja gerade neben Corona das bestimmende Thema. Engagierst du dich noch bei Fridays for Future? Hast du überhaupt noch Lust dazu?

TOCHTER: Na klar, ich hab auch neulich bei einer Aktion gemacht. Wir haben mit Kreide große Stoppzeichen auf die Straße gemalt und Sprüche hingeschrieben. Kein Grad weiter und so was. Man kann ja gerade nicht demonstrieren. Da muss es eben irgendwie anders gehen. Es hat auch nichts mit Lust zu tun. Es ist schon eher Verantwortung.

Wofür fühlst du dich verantwortlich?

Als Teil einer Gesellschaft, die die Umwelt versaut, habe ich schon mal Verantwortung, was zu ändern. Ganz unabhängig von der persönlichen Bilanz. Die ist auch nicht gerade topp.

Es entsteht jetzt offenbar auf der Klimaebene ein neues transatlantisches Bündnis. Jedenfalls wird davon gesprochen und man spürt es auch, wenn der US-Präsident Biden von einem Green Deal spricht und die EU Mitte des Jahrhunderts klimaneutral werden will. Jetzt dann noch die Ankündigung Deutschlands, doch etwas schneller den Ausstoß von Treibhausgasen runterzufahren. Das beeinflusst sich ja alles gegenseitig.

Na, ist doch super. Amerika und Europa produzieren riesige Mengen CO2 und sind als Industrienationen große Umweltverschmutzer. Endlich hat man das Gefühl, dass das Problem auch mal global angegangen wird. Nicht nur jeder Staat für sich. Hier ein bisschen und da ein bisschen bringt niemanden voran.

Ohne, dass es wehtut, sicher nicht.

Nicht nur das. Eine Einzelaktion bringt nichts, ist auch immer das Argument der Kritiker. Die sagen, wenn nur Deutschland was macht – wir haben nur einen verschwindend geringen Anteil am CO2-Haushalt der gesamten Welt – dann bringt es ja eh nichts. Das ist aber Faulheit, finde ich. Das ist ein Argument von Leuten, die ihren Arsch nicht hochkriegen und nichts ändern wollen. Solchen Leuten muss man die Argumente nehmen und das passiert, wenn wir mit Amerika zusammenarbeiten. Irgendwann müssen China und die asiatischen Länder dazukommen. Die müssen vor allem aufhören, die Meere zu verschmutzen.

Aber sind es nicht nur Ankündigungen bisher?

Na, es müssen natürlich Verträge geschlossen werden. Die Ziele müssen eingehalten werden. Symbolpolitik können wir nicht gebrauchen.

Konkrete Maßnahmen sind aber viel schwerer durchzusetzen, als Staatsführungen zu blumigen Worten zu ermuntern. Verträge sind halt dröges Zeug und nur wenige interessieren sich für Verwaltungsarbeit. Dann auch noch für die Zukunft. Das macht es noch mal schwerer, die Relevanz deutlich zu machen. Verfolgst du die Nachrichtenlage zu den konkrete Ausgestaltungen.

Ja, schon.

Klingt nicht so.

Na, muss man aber, spätestens, wenn es Auswirkungen aufs Privatleben hat, werden sich die Leute schon dafür interessieren, wie genau die Bedingungen sein sollen.

Interessant ist doch, dass alle politischen Parteien in Deutschland sich plötzlich mit dem Klima beschäftigen. Vor allem jetzt im Wahlkampf. Es zeigt aber auch, dass die Politik erkannt hat, dass sich die Menschen dafür interessieren und das Thema wahlentscheidend sein könnte.

Ja, es ist beim Klima halt egal, welche politische Meinung man hat. Es betrifft ja alle. Auch Diktatoren werden irgendwann einsehen, dass sie geflutet werden, wenn sie nichts ändern.