Reinhard Marx macht eine ernste Miene auf dem Podium. Dann trägt er vor, wie sehr er erschüttert sei, wie sehr das in der vergangenen Woche vorgestellte Gutachten zum Missbrauch durch Geistliche in seiner Diözese die „dunkle Seite“ der Kirche zeige. Kirche sei zu einem „Ort des Unheils“ geworden und nicht des Heils. Damit sei er nicht zufrieden.

Das war es dann aber auch schon. Marx sieht den Scherbenhaufen, auf dem er sitzt, aber er tritt nicht zurück. Im vergangenen Frühjahr hatte er dem Papst seinen Amtsverzicht angeboten. Jetzt will er „sich nicht aus dem Staub machen“. Grundsätzlich sei er dazu bereit, sagt er. Und wenn die Diskussionen in nächster Zeit zeigten, dass er „eher Hindernis als Hilfe“ sei, werde er erneut um einen Rücktritt ersuchen. Im Moment aber nicht.

Reinhard Marx ist 68 Jahre alt, seit 25 Jahren ist er Bischof der Erzdiözese München und Freising. Das in der vergangenen Woche vorgestellte Gutachten zeigt auf erschütternde Weise deutlich, wie sehr Bischöfe und Generalvikare in den vergangenen Jahrzehnten Missbrauch vertuscht und dafür gesorgt haben, dass weiterer Missbrauch stattfinden konnte. Besonders schwer wiegen die Vorwürfe gegen den emeritierten Papst Benedikt XVI. Aber auch Marx wird Fehlverhalten vorgeworfen.

Er sei nicht gleichgültig gegenüber den Betroffenen, sagt Marx. Aber dass er sich in dem Punkt verbessern kann, sehe er durchaus. Die Kirche müsse konsequenter die Perspektive der Betroffenen übernehmen. Was das konkret heißt, sagt er nicht.

Reinhard Marx sieht sich als Aufklärer. Er habe sich selbst und seiner Kirche den Spiegel vorhalten wollen mit dem beauftragten Gutachten. Bei den Konsequenzen ist er dann allerdings eher zögerlich. Marx sieht sich auch als Reformer. „Wir müssen uns erneuern“, sagt er. Anders komme die Kirche nicht weiter. Es gebe keine Zukunft des Christentums in diesem Land ohne eine erneuerte Kirche. Aber an entscheidenden Punkten kneift er dann doch. Marx richtet nicht über Benedikt. Dazu gibt es kein klares Wort. Benedikt müsse sich selber äußern. Das ist Marx’ Haltung.