Über die Hartnäckigkeit des Friedrich Merz, 65, kann man sich schon ein wenig wundern. Ihn gar bewundern? Man muss ja nicht gleich so weit gehen, aber es ist schon bemerkenswert, dass er noch einmal in den Bundestag einziehen will.

Schließlich ist seine Partei, die CDU – oder zumindest die Vertreter der mittleren bis höchsten Parteimanagement-Ebenen –, in den vergangenen Jahren nicht sehr zimperlich mit ihm umgegangen. Allein zweimal wurde er als Chef verschmäht. Zuletzt musste er sich in einem Wahlkampf um den Parteivorsitz Gegnern stellen, die er nicht auf Augenhöhe verortete. Der Parteitag entschied sich dann für Armin Laschet.  

Nun will Merz für den Hochsauerlandkreis direkt für den Bundestag kandidieren. Für Christdemokraten ist der Wahlkreis in Nordrhein-Westfalen eine sichere Bank. Seit 1980 haben hier nur CDU-Vertreter abgeräumt, zuletzt Patrick Sensburg. Dreimal hat der ihn geholt, sein Vorgänger ist um einen Sieg besser: Friedrich Merz. 1994 siegte er dort das erste Mal. Eine Kampfkandidatur muss vermutlich entscheiden. 

Finanzielle Gründe sind vermutlich nicht der Grund für Merz, in den Bundestag zu streben. Nach seinem Engagement beim Vermögensverwalter Blackrock dürfte er finanziell sicher dastehen. Aber was dann? Die Verletzung, weil ihn Angela Merkel 2002 als Fraktionsvorsitzenden abserviert hat? Rache? Der Wunsch, allen zu zeigen, dass man eigentlich ganz anders, besser ist? Sorge gar um den Kurs der Partei? Vielleicht von allem etwas. Sicher kann man sein, dass sich Friedrich Merz nicht in die letzte Bank setzt und zuschaut. Er wird sich einmischen, Position beziehen, nach Macht und Einfluss streben. Für einige in der Union dürfte das eine klare Drohung sein.