Hennigsdorf - Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) will mit der Fortsetzung des Corona-Aufholprogramms im nächsten Schuljahr noch mehr Kinder und Jugendliche als bisher erreichen. „Unser Interesse ist natürlich, dass Kinder und Jugendliche in allen Regionen Brandenburgs von diesen Angeboten profitieren“, sagte Ernst am Donnerstag in Potsdam. Das Ziel sei, dass noch mehr Angebote organisiert werden. Um mehr Schulen zum Mitmachen zu gewinnen, soll es weniger Bürokratie geben und die Schulen erhalten die Mittel je nach Schulgröße und Schulform. Außerdem würden auch Projektfahrten mit Übernachtung gefördert und der Stundensatz für Nachhilfe werde von 40 auf 50 Euro erhöht, kündigte Ernst an. Sie verwies darauf, dass 100 Vollzeitstellen an Lehrkräften zusätzlich eingesetzt würden.

Für dieses und das kommende Schuljahr stehen nach Angaben des Bildungsministeriums 68,7 Millionen Euro für das Aufholprogramm zur Verfügung. Davon kommen 38,7 Millionen vom Bund, während Brandenburg 30 Millionen Euro aus dem Corona-Rettungsschirm beisteuert. Damit sollen Kinder und Jugendliche so viel wie möglich von dem wettmachen, was die Corona-Pandemie vor allem mit Schulschließungen an Defiziten brachte. Dazu zählen Nachhilfeunterricht - zum Beispiel mit Hilfe von Studentinnen und Studenten - Ferienangebote, Projekte für mehr Miteinander sowie Bewegungs- und Schwimmkurse.

Der Landessportbund hat von geschätzt 6000 Kindern, die in der Corona-Pandemie keinen Schwimmkurs machen konnten, mit Projekten inzwischen 2077 Kinder erreicht. Ernst sagte, in einigen Regionen solle dafür nachgebessert werden.

Die Leiterin der Grundschule Nord in Hennigsdorf, Beatrix Dietzel, hält das Aufholprogramm für sinnvoll, sieht aber mit Blick auf den Abbau von Lernrückständen weiter Handlungsbedarf: „Wir werden sie nicht wettmachen können, aber wir versuchen, die Lücken so klein wie möglich zu halten, zu minimieren“, sagte Dietzel. „Wir merken einfach, dass das Programm den Kindern gut getan hat.“ Seit Februar habe es 200 Stunden Nachhilfe im Monat in Mathematik, Deutsch und für die Älteren in Englisch gegeben, meist in Präsenz. Dazu seien Anti-Mobbing-Kurse und ein Zirkusprojekt gekommen. Sie sagte, alle hätten gelitten, auch Eltern und Lehrkräfte. Die Schule hat rund 370 Schüler.

Die Ministerin lässt offen, ob das Programm weiterlaufen sollte. Sie will zunächst auf weitere Erkenntnisse über die Folgen von Corona und Lockdown warten. „Die KMK (Kultusministerkonferenz) diskutiert es intern und ich vermute, sie wird an den Bund die Forderung richten, das Programm noch eine Weile fortzusetzen“, sagte Ernst. „Insofern würden wir uns über eine weitere Unterstützung freuen, aber es ist nicht als Dauerprogramm ausgelegt.“