Aufstände in den USA: Brände und Plünderungen in Ferguson

Ferguson - Bei schweren Krawallen in Ferguson sind am Montagabend (Ortszeit) zahlreiche Gebäude angezündet und Geschäfte geplündert worden. Anlass der Ausschreitungen war die Entscheidung einer Jury, kein Verfahren gegen einen weißen Polizisten einzuleiten, der einen schwarzen Teenager erschossen hatte. In dem Vorort von St. Louis (US-Staat Missouri) stünden mindestens 15 Läden in Flammen, berichtete der Sender CNN.

Die Unruhen griffen auch auf andere Städte über. Proteste seien auch aus New York, Chicago und der Bundeshauptstadt Washington sowie aus Oakland in Kalifornien und Philadelphia gemeldet worden, berichtete der Sender NBC.

In Ferguson warfen Demonstranten mit Flaschen und Ziegelsteinen auf Polizeifahrzeuge und schaukelten Streifenwagen, bis sie umkippten. Auch mehrere Autos brannten. Schwere Rauchwolken standen über der Stadt, Flammen schossen in den nächtlichen Himmel. Mindestens vier Menschen wurden festgenommen. Demonstranten zerschlugen zudem Schaufensterscheiben.

Laut CNN wurden im Laufe der Nacht mindestens 15 Schüsse gehört. Nach einem Bericht der Zeitung „St. Louis Post-Dispatch“ wurde ein Polizist angeschossen. Demonstranten bewarfen CNN-Reporter mit Steinen und forderten den Abzug der Medien. Die Polizei setzte Tränengas ein. MSNBC sprach von Rauchbomben. Die Polizei war in Kampfanzügen im Einsatz.

Feuerwehrmänner, die zum Löschen ausgerückt seien, mussten der Zeitung zufolge von einem brennenden Gebäude wieder abrücken, nachdem Schüsse fielen. Das Luftfahrtamt FAA schloss wegen Schüssen in Flughafennähe den Luftraum über der Stadt. Hunderte Demonstranten besetzten eine Schnellstraße, die dann von Polizisten abgeriegelt wurde.

Der Bürgermeister von Ferguson sowie der Gouverneur von Missouri, Jay Nixon, riefen die Bewohner zur Besonnenheit auf. Auch die Eltern des erschossenen Jugendlichen Michael Brown appellierten an die Demonstranten, friedlich zu bleiben: „Auf Gewalt mit Gewalt zu antworten, ist keine angemessene Reaktion.“

Der Polizist Darren Wilson hatte Brown am 9. August nach einer Auseinandersetzung erschossen. Der Tod des 18-Jährigen hatte in der 20.000-Einwohner-Stadt schwere Unruhen ausgelöst. Die Familie des Jugendlichen kritisierte die Entscheidung. „Wir sind zutiefst enttäuscht, dass sich der Killer unseres Kindes nicht den Konsequenzen seiner Taten stellen wird“, ließen seine Eltern über ihren Anwalt mitteilen.

Die Polizei hatte sich auf neue Ausschreitungen in dem Vorort der Metropole St. Louis vorbereitet. Der Gouverneur hatte bereits vergangene Woche den Notstand ausgerufen und die Nationalgarde mobilisiert.

Trotz der Entscheidung der Jury könnte der Fall für Wilson ein juristisches Nachspiel haben, denn die Bundesbehörden ermitteln weiter gegen den Beamten. Dabei geht es um die Frage, ob Wilson aus rassistischen Motiven geschossen und damit die Bürgerrechte des Teenagers verletzt haben könnte. Auch könnte die Familie des Jugendlichen den Polizisten zivilrechtlich verklagen.

Kritik aus Russland

Angesichts der gewaltsamen Demonstrationen hat Russland die USA scharf kritisiert. Die Protestwelle zeige eine extreme Vernachlässigung von Themen wie Rassismus und Verletzung der Rechte ethnischer Minderheiten in den USA, teilte das Außenministerium am Dienstag in Moskau mit. Die Beziehungen zwischen Moskau und Washington sind wegen der Ukraine-Krise stark angespannt.(dpa)