Ersatz für AKW Emsland: Sind schwimmende Ölkraftwerke schon auf dem Weg?

Das Wirtschaftsministerium lässt offen, ob Ölkraftwerke vor der Küste eingesetzt werden. „Erste Gespräche“ mit Anbietern gibt es allerdings.

Blick auf das Kernkraftwerk Emsland mit seinem Kühlturm
Blick auf das Kernkraftwerk Emsland mit seinem Kühlturmdpa

Ankern schon bald schwimmende Ölkraftwerke vor der norddeutschen Küste? Es ist nach wie vor unklar, ob die Bundesregierung als Alternative zum Atomkraftwerk Emsland sogenannte Power Barges nutzen will. Auf Nachfrage der Berliner Zeitung hieß es am Mittwoch aus dem Wirtschaftsministerium, dass es „erste Gespräche mit Anbietern“ gebe. Ob die Stromerzeuger tatsächlich angemietet werden, sei zum jetzigen Zeitpunkt aber noch offen.

Hintergrund ist der Vorschlag des Ministeriums, das niedersächsische AKW bei Lingen trotz Energiekrise wie geplant zum Jahresende vom Netz zu nehmen. Nach einem „Stresstest“ hatte Wirtschaftsminister Robert Habeck Anfang des Monats angekündigt, dass bei einem Stromengpass in Norddeutschland „kurzfristig zusätzliche Ölkraftwerke in Form von Kraftwerksschiffen“ eingesetzt werden könnten.

Die Berliner Zeitung hatte schon vor einigen Tagen beim Wirtschaftsministerium um Auskunft gebeten. Damals sagte eine Sprecherin, dass „Anbieter von Kraftwerksschiffen (...) den deutschen Strommarkt bereits als wirtschaftlich attraktiven Standort erkannt“ hätten.

Details nannte das Ministerium nicht. Nur so viel: Es könne sein, „dass allein schon aus wirtschaftlichen Erwägungen der Kraftwerksbetreiber ein oder mehrere solcher Kraftwerke von privaten Anbietern in einem deutschen Hafen anlanden und Strom am deutschen Strommarkt anbieten“. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums vom Mittwoch hieße das allerdings noch lange nicht, dass man sich mit den Unternehmen auf Verträge einigt.

Power Barges müssten wohl kurzfristig einsatzbereit sein

Sind also bereits Kraftwerksschiffe auf dem Weg nach Deutschland? Der türkische Anbieter Karpowership, einer der größten der Branche, ließ eine Anfrage der Berliner Zeitung unbeantwortet. Dabei ist die Frage, wann die schwimmenden Stromerzeuger an der Küste sein könnten, alles andere als unbedeutend. Immerhin müssten die Power Barges im Notfall womöglich kurzfristig einsatzbereit sein.

Auf einer Pressekonferenz hatte Habeck am Dienstagabend erklärt, er erwarte, dass die beiden süddeutschen Atomkraftwerke Isar 2 und Neckarwestheim über das Jahresende hinaus am Netz bleiben müssen. Wahrscheinlich sei ein begrenzter Weiterbetrieb bis April 2023. Der Grüne rechtfertigte die Entscheidung mit der fehlenden Atomleistung aus Frankreich. Deren Daten hätten sich in den vergangenen Wochen „immer weiter nach unten entwickelt“. Was das AKW Emsland betrifft, will das Ministerium trotzdem an seinem Plan festhalten.

„Sollte wider Erwarten auch in Norddeutschland zusätzliche gesicherte Leistung benötigt werden, gibt es verschiedene Optionen, diese Leistung bereitzustellen, ohne das Atomkraftwerk Lingen wieder in Betrieb nehmen zu müssen“, sagte eine Sprecherin in der vergangenen Woche der Berliner Zeitung. Eine der Möglichkeiten, so die Sprecherin weiter, wäre dann der Einsatz von Kraftwerksschiffen, die mit Öl oder Gas betrieben werden könnten.

FDP kritisiert möglichen Einsatz von Ölkraftwerken

Der mögliche Einsatz von Power Barges wird nicht nur von der Opposition kritisiert – auch die FDP hält wenig von dem Vorschlag des Bundeswirtschaftsministers. Die Liberalen fordern einen Weiterbetrieb aller drei verbliebenen Atomkraftwerke. Dass anstelle des AKW Emsland Kraftwerksschiffe genutzt werden könnten und diese dann „jede Minute Öl verbrennen und rausballern“, bezeichnete der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Johannes Vogel, zuletzt im Deutschlandfunk als „klimapolitisch nicht überzeugend“.

Der energiepolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Michael Kruse, hat ebenfalls Bedenken. „Ob der Einsatz von schwimmenden Ölkraftwerken mit Emissionsauflagen vereinbar wäre, ist nur eine der Fragen, die noch unbeantwortet sind“, sagte der Bundestagsabgeordnete der Berliner Zeitung.

Bislang wurden Power Barges vor allem von Entwicklungsländern eingesetzt – Karpowership führt unter seinen Projekten unter anderem Ghana, Senegal und Sudan auf. Das weiß offenbar auch der Bundeswirtschaftsminister. Wenige Tage nach der Bekanntgabe der Ergebnisse des „Stresstests“ besuchte Habeck den Ausschuss für Klimaschutz und Energie im Bundestag. Nach Informationen der Berliner Zeitung erklärte er der Runde die Ölkraftwerke mit den Worten: „Power Barges sind Schiffe, die in Ländern eingesetzt werden, die keine stabile Stromversorgung haben.“