2012 beginnt bescheiden: Nur eine einzige Wahl steht im Kalender – am 6. Mai in Schleswig-Holstein. Und doch könnte sie mehr bewegen als nur die Mehrheitsverhältnisse im Kieler Landtag. Sollte die FDP auch dort aus dem Parlament fallen, stände das Schicksal von Parteichef Philipp Rösler wohl ernsthaft zur Debatte – mit allen Auswirkungen auf die schwarz-gelbe Koalition.

Je größer die Verzweiflung der FDP, je näher der nächste Bundestagswahltermin, desto unkalkulierbarer dürfte auch der Weg werden, den die Liberalen aus der Krise suchen. Die Debatte über einen Ausstieg aus der unglückseligen Koalition könnte dann neuen Auftrieb bekommen.

Drei Präsidentschaftswahlen

Mit großer Sicherheit wird die Wahl die Zusammensetzung der Bundesversammlung verändern. Bleiben die Umfragen für Schwarz-Gelb so ungünstig, verlieren Union und FDP dort ihre ohnehin knappe Mehrheit.

Sollten die Diskussionen um private Verfehlungen im früheren Leben von Bundespräsident Christian Wulff bis dahin nicht beendet sein, könnten bei SPD und Grünen neue Gelüste geweckt werden, es doch auf den Sturz Wulffs und die Neuwahl eines Kandidaten aus den eigenen Reihen anzulegen.

Das wiederum würde die Autorität von Kanzlerin Angela Merkel angreifen, ein gutes Jahr vor der Bundestagswahl möglicherweise ein reizvoller Ansatz für die Opposition. Die SPD dürfte sich gegen Ende des Jahres endlich auf einen Herausforderer Merkels festlegen, was noch einmal ein ansehnliches Spektakel geben könnte.

Doch was sind schon die deutschen politischen Ränkespiele gegen jene auf der internationalen Bühne. Drei Präsidentschaftswahlen stehen an, die das weltpolitische Kräfteverhältnis verändern können. Im März tritt in Russland Wladimir Putin erneut als Staatsoberhaupt an. An seiner Wahl besteht wohl kein Zweifel. Welche politischen Wellen ein solches Ergebnis in seinem Land auslösen wird, ist angesichts der jüngsten Proteste gegen das Regime kaum abzuschätzen.

Merkozy ade?

In Frankreich folgt im April die Präsidentschaftswahl, bei der Nicolas Sarkozy einen schweren Stand haben dürfte. Siegt sein sozialistischer Herausforderer Francois Hollande, zerbricht das in den letzten Monaten so reibungslos funktionierende deutsch-französische Euro-Tandem Merkozy.

Merkel müsste sich an einen neuen Partner gewöhnen, was ihr erfahrungsgemäß nicht so leicht fällt. Die Unsicherheit um die Zukunft des Euro und die Renovierung der EU, gewiss weiter ein dominierendes Thema, wird neue Dimensionen erreichen könnte.

Und schließlich wartet im November die amerikanische Präsidentschaftswahl als Höhepunkt des politischen Jahres 2012. Barack Obama gegen – ja, gegen wen eigentlich? Die Mühe der Republikaner, dem charismatischen, aber wegen mangelnder Erfolge nicht mehr sonderlich populären Amtsinhaber einen gleichwertigen Herausforderer gegenüberzustellen, ist wohl Obamas größte Hoffnung, die Wahl zu gewinnen.

Bloß kein Guttenberg mehr!

Und sonst? Oh ja, die Fußball-Europameisterschaft wird im Juni die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Das wirkt sich in der Regel dämpfend auf den politischen Streit aus und nützt eher der Regierung als der Opposition. Die Fußball-Kanzlerin wird auf ein erfolgreiches deutsches Team hoffen. Und darauf, dass der Störenfried Karl-Theodor zu Guttenberg ihr und der deutschen Politik noch eine Weile erspart bleibt.