Logan Lerman (l) als Jonah Heidelbaum und Al Pacino als Meyer Offerman in einer Szene der neuen Streamingserie "Hunters". 
Foto: Christoph Saunders/ Amazon Prime/ dpa

Berlin - Die neue Serie Amazon-Serie "Hunters" mit Al Pacino in der Hauptrolle ist in die Kritik geraten. Vertreter der Auschwitz-Gedenkstätte gehen via Twitter vor allem eine Szene scharf an. In dieser werden Gefangene des deutschen Vernichtungslagers gezeigt, die sich als menschliche Schachfiguren auf einem überdimensionalen und begehbaren Schachbrett gegenseitig mit Rasiermessern abschlachten müssen. In der Serie, die am Freitag startete, geht es um eine Gruppe von Auschwitz-Überlebenden, die im New York der 70er Jahre dort untergetauchte Nazis aus dem Zweiten Weltkrieg jagen und töten.  

Die Szene mit dem Schachspiel, bei dem ein Häftling gegen einen Nazi spielen muss und so dutzende seiner Mitgefangenen tötet, ist allerdings frei erfunden. „Auschwitz war, wie es die Überlebenden dokumentierten, ein Ort schrecklicher Qualen und des Leids. Ein fiktives menschliches Schachspiel für ,Hunters' zu erfinden ist nicht nur eine gefährliche Dummheit und Karikatur. Es öffnet Tür und Tor für zukünftige Leugner. Wir ehren die Opfer indem wir eine faktische Genauigkeit bewahren“, heißt es in einem Tweet der Gedenkstätte. 

Ein Sprecher der Gedenkstätte sagte der dpa, natürlich sei die Serie kein Dokumentarfilm. Aber die Grausamkeiten in Auschwitz seien durch viele Zeugenaussagen dokumentiert. In einer Zeit, wo nicht mehr Überlebende des Lagers, sondern eine jüngere Generation Werke über Auschwitz verfasse, steige die Verantwortung für Faktentreue. „Es ist problematisch, wenn Geschichten ausgedacht werden.“ Denn von verdrehten Fakten sei es nicht weit bis zu der Behauptung, das alles sei nie passiert.

Den Einwand einzelner User unter dem Tweet, dass es sich um einen Film handele und somit eine gewissen künstlerische Freiheit akzeptabel sei, lassen die Vertreter des Auschwitz Memorial Center nicht gelten. „Erfindet ein fiktives Lager und Nazi-Gräueltaten, die dort passiert sind. Wenn man allerdings einen realen Ort nimmt, dann respektiert dessen Geschichte und das Leid der Opfer“, teilten sie weiter mit. 

"War es nicht schrecklich genug?"

Auch Karen Pollock, Chefin des Holocaust Educational Trust, greift die Serien-Macher an. Nach ihren Worten würde die Serie mit der erfundenen Darstellung des Schachspiels einen Schritt zu weit gehen. Und fragt: "War es nicht schrecklich genug?"

Der für die Szene als auch für die Serie verantwortliche David Weil schrieb jetzt in einer Stellungnahme, dass "Hunters" keine Dokumentation sein solle. Die unerträgliche Szene mit den lebenden Schachfiguren auf einem überdimensionalen Schachbrett im Vernichtungslager stelle "die extremste - und gegenständlich wahrheitsgemäße - Ausprägung des Sadismus und der Gewalt" dar, die "von den Nazis an Juden und anderen Opfern verübt wurde". 

Auch die Amazon-Nutzer sind geteilter Meinung über die neue Serie. Der Holocaust werde hier zur Unterhaltungsserie im Stil eines schnellen, modernen Films mit teils humoristischen Einlagen missbraucht, so der Grundtenor der Kritik. Fans der Serie sprechen hingegen von einer zeitgemäßen Aufarbeitung der Nazi-Zeit und den Verbrechen der Deutschen an der Menschheit während des Dritten Reichs.