So intensiv wird sie dieser Tage wieder befeuert, dass man der Wachstumsdebatte kaum anmerkt, dass sie nun auch schon Ü40 ist. Wobei die Warnung vor den „Grenzen des Wachstums“ vom Club of Rome von 1972 ja längst auch für Konservative ein Gemeinplatz ist. Niemand bestreitet, dass unbändiges Wirtschaftswachstum seine eigenen Ressourcen und letztlich die Lebensgrundlagen der Menschheit zerstört.

Doch während das linke Lager in ganz Europa, und in Deutschland vor allem die Grünen, eine Abkehr vom Wachstumsglauben fordert, schießt der Chef ihrer eigenen Parteistiftung quer: Ralf Fücks hält die reine Wachstumskritik für unbrauchbar. Wenn „in den Feuilletons und auf Kongressen der Ruf ertönt nach einem ‚Ausstieg aus dem Wachstumswahn‘“, schreibt Fücks in seinem neuen Buch, dann bleiben „die Wachstumskritiker eine plausible Antwort schuldig, wie Europa aus dem Teufelskreis von Schulden und Arbeitslosigkeit herausfinden kann“. Gerade die Krise deute an, dass eine „Postwachstumsgesellschaft“, die viele Grüne sich erträumen, „keine Idylle ist, sondern ein Schauplatz sozialer Dramen und Verteilungskämpfe“ – siehe Griechenland.

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Doch Fücks wäre nicht in den Ruf eines grünen Vordenkers gelangt, wenn er das Grundproblem von Ressourcenschwund, Klimakrise und Bevölkerungswachstum leugnen würde. Allein durch letzteres werde sich die globale Wirtschaftsleistung in den kommenden 25 Jahren verdoppeln, schreibt er. Deshalb plädiert sein Buch nun für einen „dritten Weg“ – eben: „intelligent wachsen“. Und clever heißt für Fücks natürlich grün: öko, bio, nachhaltig.

In zehn breit angelegten Kapiteln erläutert er detailreich Umfeld und Grundlagen für seinen Ansatz, sodass Quereinsteiger gleich diverse Crashkurse mitnehmen, etwa in Technikskepsis (die er ablehnt), Bio-Ökonomie (die die Wertschöpfung vom Verbrauch von Böden, Wasser und Atmosphäre entkoppelt) oder Energiewende (die Öko-Energie profitabel machen müsse).

Am Ende steht für den Autor ein „Öko-Kapitalismus“. In dem werden Profit- und Wachstumsstreben nicht abgeschafft, sondern ressourcenneutral gestaltet. Nicht ein neuer Mensch, nur eine neue Produktionsweise müssten Ziel ökologischer Politik sein, betont Fücks. Um soziale Fragen geht es da wenig, dafür umso mehr um Glaube an technischen Fortschritt, der Städte, Werkstoffe, Verkehr und Energie derart ergrünen lässt. All das hat zwar schon gehört, wer die Debatten der Grünen und der Nachhaltigkeitsexperten verfolgt. Aber Ralf Fücks hat daraus ein optimistisches Sachbuch gemacht, dass die Debatte griffig zusammenfasst.