Mehr als 400 Kommentare auf Hebräisch und gut 70 Eintragungen zur englischen Version beschäftigen sich mit Schockens Editorial, das dieser Zeitung in ihrer Dienstag-Ausgabe veröffentlichte. Der israelische Publizist bezeichnet die Unterdrückung der Palästinenser und ihre Behandlung als Bürger zweiter Klasse als „abscheulich undemokratische Zustände“, die an das einstige Apartheid-Regime in Südafrika erinnerten.

Besonders diesen Vergleich greifen die Online-Kommentare auf; Zustimmung und Ablehnung halten sich die Waage. Während der eine Teil der anonymisierten bzw. mit Spitznamen gekennzeichneten Beiträge Schocken für seinen Mut und seine „brillante Analyse“ dankt, bezeichnen Kritiker seine Thesen als „schändlich“, als „wüste Propaganda“ und „Beleidigung aller Opfer der Apartheid“. Ein Kommentator gibt seiner Hoffnung Ausdruck, die in Israel lebenden Palästinenser möchten „nach Jordanien, Libanon oder sonst wohin“ gehen; danach werde Israel „zur Demokratie zurückkehren – für die Juden, nicht für die Palästinenser“.

Weniger polemische Beiträge verweisen Schocken auf die aktive Teilnahme arabisch-stämmiger Israelis am gesellschaftlichen und politischen Leben ihres Landes. Schon dadurch unterscheide sich die Situation fundamental von der Lage der Schwarzen in Südafrika während der Apartheid. Andere Kritiker erinnern an die Bedrohung Israels durch islamistischen Terror. Die „Maßnahmen“ gegen die Palästinenser seien nicht Ausdruck von Rassismus, sondern von Sicherheitsinteressen. Zöge sich Israel auf die Grenzen von 1967 zurück, wie Schocken es fordert, wäre dies nach Ansicht eines anderen Kommentators selbstmörderisch: Israel wäre dann unfähig, sich gegen jene im arabischen Lager zu verteidigen, die das Staatsgebiet Israels insgesamt als widerrechtlich besetztes Territorium betrachteten.

Schocken berichtet auch von zahlreichen persönlichen Reaktionen ähnlich geteilten Tenors. Ein Kritiker sprach demnach von einer Steilvorlage für hasserfüllte Antizionisten und Antisemiten; Schocken plappere lediglich nach, was die „verrückten iranischen Mullahs“ sagten. Ein Mitinitiator des Osloer Friedensprozesses dagegen lobte Schocken und sein „ausgesprochen wichtiges Dokument“. Auch der deutsche Menschenrechtsaktivist Rupert Neudeck (Cap Anamur, Grünhelme) dankte Schocken ausdrücklich. Was in dessen Artikel stehe, „hätten wir uns nur zu denken, aber nicht zu sagen, geschweige denn zu schreiben getraut“. Schockens Beitrag sei „ungeheuer wahr und deshalb ganz stark“.

Schockens Beitrag (englisch und vollständig) unter: http://tinyurl.com/d3db4s8