Berlin - „Ab dem 1. April 2021 ist das ‚erste Containerdorf Deutschlands‘ für den Internationalen Bund Geschichte.“ So beginnt ein Schreiben, mit dem Peter Hermanns, der Leiter des Übergangswohnheims für Geflüchtete im Köpenicker Allende-Viertel am Dienstag die Unterstützer der vergangenen Jahre informierte. Ein Heim wechselt den Betreiber, das klingt erstmal unspektakulär. Aber das ist es nicht – nicht für diejenigen, die mit diesem Heim zu tun haben, weil sie dort wohnen, arbeiten, sich engagieren oder in Politik und Behörden für die Einrichtung zuständig sind. Ein Betreiberwechsel nach mehr als sechs Jahren ist für sie eher eine Art Zeitenwende.

Erstes Containerdorf entstand 2015

Das erste Containerdorf Deutschlands entstand Anfang 2015 in Windeseile. Innerhalb von sechs Wochen wurden am Rand der Wohnsiedlung Allende II in Köpenick Bäume gerodet, das Terrain planiert und Container zu zwei Behelfsbauten zusammengefügt. Dann zogen Geflüchtete ein. Am Anfang gab es aufgeregte Proteste von Nachbarn, und Rechtsextreme nutzten den Unmut für ihre Zwecke aus. Es entstand aber auch eine Gegenbewegung: „Allende hilft“. Im Lauf der Zeit ließen die Proteste nach, vor allem weil Peter Hermanns und seine Unterstützer viel dafür taten, damit die 386 Bewohner und der Kiez drum herum miteinander ins Gespräch kamen.

Zum Monatsende wird der Internationale Bund, werden Peter Hermanns und sein Team das Heim an einen neuen Betreiber übergeben. Aller Voraussicht nach wird es das DRK Müggelspree sein. Der Zuschlag soll am 5. März erteilt werden. Bis dahin läuft eine Frist zur Einreichung von Rügen und ein Nachprüfungsverfahren.

Nach Europäischem Vergaberecht sei eine Neuausschreibung zwingend gewesen, teilt die Berliner Sozialverwaltung auf Anfrage mit. In diesem Fall habe ein Mitbewerber in der Gesamtbewertung besser abgeschnitten. Die Berliner Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) bedauert allerdings den Wechsel. „Ich bin nicht glücklich darüber, dass neue Betreiber kommen und damit alte und bewährte Strukturen nicht weitergeführt werden können. Das gilt für die Geflüchteten, die Mitarbeitenden und die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Doch bisher konnte mir niemand einen anderen Weg zeigen, der möglich wäre“, sagte die Senatorin der Berliner Zeitung. Der IB leiste mit seinen engagierten Mitarbeitern eine sehr gute Arbeit, „sie haben in dieser und anderen Unterkünften viel aufgebaut, Kooperationen und wichtige Hilfestrukturen für die Geflüchteten geschaffen“, so Elke Breitenbach.

Die Konkurrenz war vor allem preisgünstiger. Davon geht jedenfalls Peter Hermanns aus, und das geht auch aus dem Bescheid hervor. „Unser Angebot war trotz des besten der eingereichten Konzepte zu teuer“, formuliert Hermanns. Das Ergebnis kam für ihn nicht völlig überraschend. „Wir sind bei der Kalkulation unter vielen Abwägungen an unsere Schmerzgrenze gegangen. Wir ahnten, dass andere diese Grenze aus unterschiedlichen Gründen unterhalb dieser Marke setzen würden. Trotzdem haben wir den Hut in den Ring geworfen, weil wir von unserer Arbeit überzeugt sind und sein können“, schreibt Hermanns.

Kein Fest zum Abschied

Ruft man ihn an, erläutert er die derzeitigen Probleme mit dem Heim. Es geht um finanzielle Fragen. Dahinter stehen aber auch politische. Von ursprünglich 386 Plätzen konnten seit 2018, seit immer weniger Menschen nach Deutschland flüchten, nicht mehr alle belegt werden. Seit einem Brand sind es noch weniger, weil ein Gebäudeteil bisher nicht wieder zum Wohnen freigegeben wurde.

160 Menschen aus verschiedenen Herkunftsländern leben zurzeit in der Einrichtung. Weniger Menschen heißt aber auch weniger Einnahmen für den Betreiber. Am Ende leistete sich der Internationale Bund das Heim weiter, weil es ein Erfolgsprojekt war, trotz der schwierigen finanziellen Lage. „Ein Leuchtturm“, wie Hermanns formuliert. Der Heimleiter wird jetzt versuchen, die sieben Mitarbeiter an andere Einrichtungen des Trägers zu vermitteln. Ein Fest zum Abschied wird es während der Pandemie nicht geben können.