Berlin - Kaum ist ein Jahr vergangen, ein Krieg verloren und ein brüchiger Waffenstillstand erreicht, hat das Auswärtige Amt in Berlin mit der Deutung des Geschehens in der Ukraine begonnen. Es hat einen Leitfaden für seine Mitarbeiter erstellt, der dazu dienen soll, im Konflikt mit Russland Mythen und Fakten voneinander zu unterscheiden. Berlin, schreibt die Süddeutsche Zeitung, die das Papier veröffentlichte, rüste sich im Kampf gegen die Deutungshoheit.

Wer die Auszüge liest, hat den Eindruck, es handele sich um einen Verteidigungskampf über 18 Runden. So viele Punkte enthält das Papier, vorwiegend Behauptungen russischer Medien und Politiker, die widerlegt werden sollen. In Kiew sind demnach keine Faschisten an der Macht, das Ende des Regimes von Wiktor Janukowitsch war kein vom Westen unterstützter Staatsstreich und die Krim war nicht von Anbeginn der Zeiten russisch, um nur einige Punkte aufzuzählen.

Verunsicherte Reaktion

Glücklicherweise enthält das Papier keine Erkenntnis, die die deutsche Diplomatie nicht schon von Beginn des Konflikts an tapfer vertreten hätte. Dass sich das Auswärtige Amt genötigt sieht, alle Mitarbeiter und Auslandsvertretungen mit diesem argumentativen Rüstzeug auszustatten, zeigt allerdings wie verunsichert der Westen im Allgemeinen und Deutschland im Besonderen auf die hybride Kriegsführung eines Gegners reagiert, der eben noch ein strategischer Partner war.