Die Spurensicherung im hessischen Volkmarsen: Hier fuhr der Mann in den Karnevalsumzug.
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VolkmarsenIm nordhessischen Volkmarsen nahe Kassel ist am Montag ein Auto in einen Rosenmontagszug gefahren. Das teilte die Polizei mit. Unter den insgesamt 52 Opfern waren auch 18 Kinder.  Tote gab es nicht. 

Wie die Polizei am Dienstag in Kassel mitteilte, befinden sich derzeit noch 35 Personen in stationärer Behandlung. Weitere 17 Menschen wurden demnach ambulant behandelt. Die Zahl der verletzten Kinder liege bei 18. Wie stark die Kinder verletzt sind und ob unter den Opfern auch Schwerverletzte sind, konnte eine Polizeisprecherin zunächst nicht sagen.

Ein sogenanntes Gaffervideo habe zu der zweiten Festnahme bei dem Zwischenfall im nordhessischen Volkmarsen geführt. Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt sagte am Dienstag, gegen den Festgenommenen werde wegen «Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Filmaufnahmen» ermittelt. Ob es darüber hinaus einen Zusammenhang zu dem Vorfall am Montag gegeben habe, müsse noch ermittelt werden.

Augenzeugenberichten zufolge soll der Wagen am Montag gegen 14.30 Uhr etwa 30 Meter weit in eine Gruppe von Menschen gefahren sein, bis er zum Stehen kam, berichtet der hessische Rundfunk. Nach den bisherigen Erkenntnissen des hessischen Innenministeriums fuhr der Mann mit hoher Geschwindigkeit.

Im hessischen Volkmarsen ist ein Auto in einen Karnevalsumzug gefahren.
Foto: AFP/Elmar Schulten

Die Zeitung „Hessische/Niedersächsische Allgemeine“ berichtete, Zeugen hätten geschildert, dass der Fahrer die Absperrung umgangen habe und dann mit Vollgas auf die Menschenmenge zugerast sei. Die Zeugen hätten den Eindruck gehabt, dass der Fahrer es vor allem auf Kinder abgesehen hatte. Von der Polizei gab es dazu keine Angaben. Den Autofahrer werde man nun befragen, hieß es von der Polizei weiter. Ein Zeuge berichtete laut „Bild“-Zeitung, erboste Menschen seien am Tatort mit erhobenen Fäusten auf den Fahrer zugelaufen, die Polizei habe ihn schützen müssen.

Fahrer ist 29-jähriger Deutscher

Bei dem Auto handelt es sich um einen silberfarbenen Mercedes Kombi. Der Fahrer wurde festgenommen, er ist nach Informationen der Ermittler deutscher Staatsbürger, 29 Jahre alt und kommt selbst aus Volkmarsen. Die Wohnung des Mannes sei durchsucht worden.   Er war nicht alkoholisiert. Ob er unter Drogeneinfluss gestanden habe, stehe noch nicht fest, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Dienstag.

Polizei und Spurensicherung untersuchen den silbernen Mercedes-Kombi.
Foto: dpa/Uwe Zucchi

Innenministerium schließt Anschlag nicht aus

Hinweise auf eine politisch motivierte Straftat liegen laut Polizei derzeit nicht vor. „Wir gehen nicht von einem Anschlag aus. Wir gehen von einem vorsätzlichen Tatgeschehen aus“, so ein Polizeisprecher. Das hessische Innenministerium schließt laut der Nachrichtenagentur AFP einen Anschlag allerdings nicht aus. Ein Sprecher des Innenministeriums begründete das am Montag mit der Situation vor Ort. Der Fahrer war nach ersten Erkenntnissen den Behörden nicht als Extremist bekannt. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Montagabend aus Sicherheitskreisen. Allerdings war er der Polizei nach dpa-Informationen in der Vergangenheit durch Beleidigung, Hausfriedensbruch und Nötigung aufgefallen.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdelikts. Das teilte der Sprecher der Behörde, Alexander Badle mit. Zum Motiv könne auch er nichts sagen: „Wir ermitteln in alle Richtungen.“ 

Fastnachtsumzüge abgebrochen

Laut dem Polizeipräsidium Westhessen wurden alle Fastnachtsumzüge in Hessen vorsichtshalber abgebrochen. Wie viele Umzüge betroffen seien, sei derzeit unklar. Ob die für Dienstag geplanten Veranstaltungen im Straßenkarneval stattfinden können, sei noch nicht entschieden, sagte ein Sprecher. Die polizeiliche Präsenz wurde hessenweit verstärkt.

Zum Rosenmontagszug in Volkmarsen waren rund 1500 Menschen erwartet worden. Die Kleinstadt im Landkreis Waldeck-Frankenberg hat rund 6800 Einwohner. Sie ist rund 30 Kilometer von Kassel entfernt.

Die Polizei hat ein Hinweisportal eingerichtet. Man appelliere an alle, die Bilder und Videos aus Volkmarsen haben, sich mit Spekulationen zurückzuhalten und keine dieser Aufnahmen zu verbreiteten, teilte sie auf Twitter mit.

Merkel und Bouffier bestürzt

Volkmarsens Bürgermeister Hartmut Linnekugel (parteilos) sagte: "Wir sind alle betroffen, alle tief geschockt." Im Rathaus sei ein Notlagezentrum mit Seelsorge und Polizeikräften eingerichtet worden, das bis Dienstag geöffnet bleibe.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) zeigte sich erschüttert. „Ich bin schockiert über diese schlimme Tat“, erklärte Bouffier. Die Hintergründe der Tat seien bisher unklar. Er bitte darum, „nicht über mögliche Motive zu spekulieren“. Dies sei die Stunde der Ermittler, die mit Hochdruck an der Aufklärung der Gewalttat arbeiteten.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte bestürzt. „Meine Gedanken sind bei den Verletzten von Volkmarsen und ihren Angehörigen“, ließ Merkel über die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer im Onlinedienst Twitter erklären. „Ich wünsche allen baldige und vollständige Genesung.“ Die Kanzlerin richtete zudem der Polizei und allen medizinischen Einsatzkräften ihren „herzlichen Dank“ aus.