Berlin - Der Erklärung, die Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Freitag auf die Webseite der Stuttgarter Staatskanzlei stellen ließ, merkte man an, dass der Grünen-Politiker nur ungern Privates mit Politischem vermischt.

„Eigentlich ist es eine rein persönliche Angelegenheit“, erklärt Kretschmann darin. „Meine Frau und ich haben gemeinsam entschieden, sie dennoch öffentlich zu machen. Meine Frau Gerlinde ist an Brustkrebs erkrankt. Es geht ihr den Umständen entsprechend, aber es kommen nun schwere Zeiten auf sie zu. Ich will für sie da sein, so gut es geht.“ Termine, die nicht sein Regierungsamt beträfen, so Kretschmann weiter, werde er aber icht immer wahrnehmen können. "Dazu gehören auch Wahlkampftermine im anstehenden Wahlkampf".

Landtagswahl im März: Kretschmann tritt an

In Baden-Württemberg wird am 14. März ein neuer Landtag gewählt. Der Grüne Kretschmann will im Spitzenamt weitermachen, tritt als Spitzenkandidat seiner Partei an – und bleibt das auch. Zunächst hatte die Nachricht die Runde gemacht, dass er sich ganz zurückziehe. Das ist jedoch nicht der Fall.

„Ich werde in der schwierigen Lage für das Land meine Arbeit als Ministerpräsident weiterhin mit vollem Einsatz fortführen“, versicherte er in seiner Erklärung. Und bat gleichzeitig darum, „von Nachfragen abzusehen.“ 

Gerlinde Kretschmann: Ihre Krankheit war im Land schon länger bekannt

Die Krankheit der Ministerpräsidenten-Gattin ist im Ländle schon länger bekannt. Und ursprünglich wollte Kretschmann sie offenbar wirklich als rein persönliche Angelegenheit behandeln. Doch auch in Pandemie-Zeiten, in denen es weniger persönliche Termine gibt, wird geklatscht. Im Wahlkampf hört sich Mitleid gerne auch mal falsch an. So entschloss man sich in der Staatskanzlei, das Thema offensiv anzusprechen.

Kretschmann machte mit seiner Ankündigung auch gleich ernst. So verzichtete er auf die Anreise zum Bundesrat, der an diesem Freitag zum 1000. Mal tagte. Der Termin wurde mit einem Festakt und einer Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier begangen und war daher eigentlich ein Pflichttermin für alle Länderchefinnen und -chefs.

Kranke Ehefrauen: Diese SPD-Minister traten kürzer

Steinmeier dürfte für Kretschmanns Fernbleiben größtes Verständnis haben. Der damalige SPD-Fraktionschef im Bundestag nahm im Sommer 2010 eine mehrmonatige Auszeit, um seiner schwer kranken Frau eine Niere zu spenden. Er ist nicht der einzige SPD-Politiker, der seiner Frau beistand. Im selben Jahr war auch Franz Müntefering von seinem Amt als Arbeits- und Sozialminister zurückgetreten, um mehr Zeit für seine krebskranke Frau Ankepetra zu haben, die ein Jahr später verstarb. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte ihm zuvor eine Auszeit vom Amt angeboten.